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Indien: Umstrittene Kandidatin wird erste Frau an der Spitze des Staates

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Indien: Umstrittene Kandidatin wird erste Frau an der Spitze des Staates

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Indien bekommt zum ersten Mal in seiner Geschichte ein weibliches Staatsoberhaupt. Die Volksvertreter aus den Landesparlamenten und dem Bundesparlament wählen am Donnerstag einen neuen Präsidenten, und es galt schon im Vorfeld als sicher, dass die Kandidatin der regierenden Kongresspartei Pratiba Patil die Mehrheit erhalten würde. Ihr Konkurrent, der amtierende Vizepräsident, ist populär, aber chancenlos. “Patil wird gewählt, weil sie eine Frau ist”, sagt Kolumnistin Shuba Singh. “Es war eine kurzfristige Entscheidung.”

Aber Patil ist in Indien höchst umstritten. Einer von ihr gegründeten Genossenschaftsbank für Frauen wurde wegen Unregelmäßigkeiten die Lizenz entzogen. Ihre Zuckerraffinerie ging bankrott und Patils Bruder soll Drahtzieher eines Mordes sein, wobei Patil selbst ihn gedeckt haben soll. “Sie ist genau so, wie eine indische Frau nicht sein sollte”, erklärt die Journalistin Seema Mustafa. “Sie bedeckt ihre Haare und rechtfertigt das mit rückständigen Argumenten, sie trägt lange Kleider, sie tut alles, was dem Bild der progressiven indischen Frau zuwiderläuft.”

Erst kürzlich irritierte Patil die Öffentlichkeit, als sie erklärte, der Geist eines verstorbenen Sektenführers habe ihr vorhergesagt, dass sie bald eine verantwortungsvolle Position bekleiden werde. Das Präsidentenamt in Indien hat überwiegend repräsentativen Charakter; allerdings gilt der Staatschef als Hüter der Verfassung.