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Russische Vorwürfe in Litwinenko-Affäre

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Russische Vorwürfe in Litwinenko-Affäre

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Im russisch-britischen Streit um den Mordfall Litwinenko hat Präsident Wladimir Putin der britischen Seite eine Kolonialmentalität vorgeworfen. London fordert die Auslieferung des mutmaßlichen Täters Andrej Lugowoi; Moskau lehnt das ab.

In einem Lager des Kreml-nahen Jugendverbands sagte Putin, in Großbritannien hielten sich dreißig Personen auf, die von der russischen Justiz wegen schwerer Verbrechen gesucht würden – doch denen gewähre London Asyl.

Aber gegenüber anderen Ländern wie Russland erhebe London Forderungen, die eine Beleidigung darstellten: etwa die Forderung, die Verfassung zu ändern, um die Auslieferung eines russischen Staatsbürgers möglich zu machen. Hierzu könne er nur sagen: Die Briten sollten ihre Denkweise
ändern…

Die britische Forderung einer Verfassungsänderung in Russland sei ein Überrest der Kolonialzeit, sagte Putin. Die Briten hätten offenbar vergessen, dass sie keine Kolonialmacht mehr seien.

Der britische Botschafter in Moskau hatte von Russland verlangt, das in der Verfassung verankerte
Verbot der Auslieferung russischer Staatsbürger zu umgehen – schließlich würden auch andere Verfassungsbestimmungen in Russland immer wieder umgangen.

Großbritannien verlangt die Auslieferung Lugowois; die britische Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des Mordes an dem russischen Ex-Geheimagenten Alexander Litwinenko. Litwinenko, inzwischen britischer Staatsbürger, starb letzten November, nachdem er mit radioaktivem Polonium vergiftet worden war.

Der Streit um den Mordfall weitete sich in der vergangenen Woche zu einer Krise zwischen London und Moskau aus, in deren Folge beide Seiten jeweils vier Diplomaten auswiesen. Außerdem wurde die Zusammenarbeit im Kampf gegen der Terrorismus auf Eis gelegt. Russland und Großbritannien stellen staatlichen Vertretern der Gegenseite keine Visa mehr aus.