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Clearstream-Affäre

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Clearstream-Affäre

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Hier war den Beteiligten ihre herzliche Abneigung deutlich anzusehen. Beim Staatsakt am 8. Mai 2006. Da war der Kampf um die Nachfolge von Staatspräsident Jacques Chirac bereits in voller Schärfe entbrannt. Der hatte seinen ehemaligen Günstling Nicolas Sarkozy fallengelassen und setzte auf Dominique de Villepin. Aber wie den umtriebigen Sarkozy stoppen, der sich inzwischen an die Spitze der Präsidentenpartei gesetzt hatte?

Da tauchten plötzlich Listen auf, die angeblich aus Finanzabrechnungsinstitut Clearstream in Luxemburg stammen sollten.
Auf den Listen standen prominente Namen, die irgendwie mit einer noch nicht ganz so alten französischen Korruptionsaffäre zu tun haben könnten. Vor allem aber stand da der Name Sarkozy.

Der Informatiker Imad Lahoud, einst bei EADS angestellt, soll die Listen gefälscht haben… Mindestens so wichtig wie der Fälscher ist bei so etwas der Denunziant. In diesem Fall heisst der Jean-Louis Gergorin und war auch einst beim Airbus-Mutterkonzern EADS. Dieser Gergorin galt als persönlicher Freund von Villepin. Nachdem er die gefälschten Listen dem Korruptionsermittler Renaud van Ruymbeke zugespielt hatte, soll Villepin gejubelt haben: “ Sarkozy ist am Ende”.

Fehlt noch der Ex-Geheimdienstgeneral Philippe Rondot. Der hatte offensichtlich seine Festplatte nicht gut genug gelöscht – jedenfalls konnten Fachleute seine alten Vermerke über den Ablauf der Intrige rekonstruieren.

Vermerke, in denen von der Beteiligung des damaligen Innen- und späteren Premierministers de Villepin die Rede ist. Sarkozy – heute der erste Mann im Staate – hat Anzeige erstattet. Und damit bleibt der Justiz gar nichts anderes übrig als zu ermitteln, wer denn hier Opfer und wer Täter ist.