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Zweiter Untersuchungsbericht zum Fall Menezes


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Zweiter Untersuchungsbericht zum Fall Menezes

Vor zwei Jahren erschoss die Polizei in London einen Mann – es war ein Irrtum. Seitdem wird in dem Fall ermittelt: Eine unabhängige Untersuchungsbehörde hat jetzt ihren zweiten Bericht vorgelegt. Diesmal geht es darum, ob die Polizei damals gelogen hat. Eine Sprecherin der Behörde sagt, der Getötete habe nichts Ungewöhnliches getragen oder getan. Er habe keine Möglichkeit gehabt, sich zu retten. Die Polizisten hielten Jean Charles de Menezes aber für einen gesuchten Terrorverdächtigen; es war die Zeit kurz nach den Londoner U-Bahn-Anschlägen. Gerade erst am Tag zuvor war versucht worden, die Anschläge quasi zu wiederholen; die Rucksackbomben gingen in diesem Fall aber nicht hoch. Laut dem Bericht wusste auch die Polizei sehr schnell, dass sie mit Menezes einen Unschuldigen erschossen hatte. Trotzdem behauptete sie noch eine Zeitlang das Gegenteil. Menezes stehe mit den Anschlagsversuchen vom Vortag in Verbindung, hieß es. Er habe sich verdächtig gekleidet und sich verdächtig benommen; zum Beispiel sei er über eine Fahrscheinschranke gesprungen.

Die Angehörigen des Toten sind enttäuscht, denn diese falschen Behauptungen haben Menezes’ Bild in der Öffentlichkeit beschädigt, noch lange nach seinem Tod. “Zwei Jahre haben wir darauf nun gewartet,” sagt ein Cousin auf einer Pressekonferenz; “es tut so weh zu erfahren, dass ranghohe Polizisten bewusst gelogen haben.” Diese Falschinformationen gingen vor allem zurück auf einen stellvertretenden Leiter der Londoner Polizei. Er täuschte damit sogar den Polizeichef, seinen Vorgesetzten: Der wird im Bericht entlastet. Erst einen Tag später erfuhr er selber die Wahrheit und entschuldigte sich daraufhin bei den Angehörigen. Wegen der Schüsse selber musste keiner der beteiligten Polizisten vor Gericht. Eine Berufung von Menezes’ Familie scheiterte. Im Oktober beginnt allerdings ein Prozess gegen die Londoner Polizei als Ganzes.

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