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Christen im Libanon

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Christen im Libanon

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Libanon und Christentum, das ist eine sehr, sehr alte Beziehung. Im Alten Testament kommt das Wort “Libanon” an etwa 60 Stellen vor. Aber das christliche Lager ist so tief gespalten wie das ganze Land. Pro-syrisch – das heisst bei den Christen Anhänger von Michel Aoun – oder anti-syrisch, das heisst bei den Christen, sich Amin Gemayel anzuschließen. Diese Nachwahl für einen der für Christen reservierten Parlamentssitze musste ganz einfach den Konflikt neu anfachen.
Der 65jährige Amin Gemayel, in den 80er Jahren Staatspräsident, wollte den Platz seines im November 2006 ermordeten Sohnes einnehmen. Für seine Anhänger ging es um nichts weniger als das Erbe eines Märtyrers.

Gewonnen hat der von Michel Aoun unterstützte Gegenkandidat. Das heisst, ein Vertreter jener politischen Linie, die mit Syrien, mit Iran und Hisbollah verbunden ist. Im Libanon mit seinen 3,8 Millionen Einwohnern zählt man 17 anerkannte Religionsgemeinschaften. Alle Christen zusammen stellen 40 Prozent der Bevölkerung, die schiitischen Moslems 32, die sunnistischen Moslems 21 und die Drusen – auch Moslems – sieben Prozent.

Aoun will der Führer der libanesischen Christen werden – und der hat Anspruch auf das im November neu zu besetzende Präsidentenamt. Als Aoun 1988 vom damaligen Präsidenten Gemayel zum Ministerpräsidenten ernannt wurde, flammte der Bürgerkrieg mit neuer Schärfe auf. Mit seiner Miliztruppe von 15.000 Mann erklärte Aoun ein Jahr später dem sich als Besatzungsmacht etablierenden Syrien den Krieg – und verlor. Es folgten 15 Jahre Exil – und nun ein neuer politischer Ansatz.