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Worum streiten sich eigentlich Russland und Georgien?

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Worum streiten sich eigentlich Russland und Georgien?

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An diese stürmischen Bilder des Wandels im Kaukasusstaat Georgien erinnert sich die Welt. In Tiflis löste eine junge Generation west-orientierter Politiker die alte Garde der ehemaligen Sowjet-Apparatschiks ab. Im Klartext hieß das für den Kreml: Die Überreste der 1991 zusammengebrochenen UdSSR lassen sich nicht so einfach von Moskau aus dirigieren. Nun grenzt Georgien an Tschetschenien, völkerrechtlich Teil Russlands – de facto mit Russland im Krieg. Und innerhalb Georgiens gibt es zwei an Russland grenzende Gebiete, in denen Moskau enormen Einfluß hat. All diese Probleme gehören zur Erblast des Kommunismus. Abchasen und Südosseten waren auch zu Sowjetzeiten schon anders als die Georgier, zu deren Republik sie gewissermaßen als “Untermieter” verwaltungstechnisch dazugeschlagen worden waren. Ebenso wie Tschetschenen so ihre Probleme mit Russen hatten. Aber darüber durfte im “kommunistischen Vaterland aller Völker”, wie sich die UdSSR in ihrer Hymne selber nannte, nicht geredet werden. Kaum war mit dem Ende des Kommunismus der äußere Druck weg, der zusammengehalten hatte, was eben nicht in jedem Falle zusammengehört, da gingen die Machtkämpfe los. Tschetschenen gegen Russen, Abchasen und Südosseten gegen Georgier…

Und Moskau? Moskau mischte natürlich auch immer mit, mal mit einer Art “Friedenstruppe”, mal mit wirtschaftlicher Hilfe für die von Georgien Abtrünnigen. Ohne russische Hilfe hätten die etwas mehr als 50.000 Einwohner der kleinen Region Südossetien ihre große “Volksabstimmung” Ende 2006 gar nicht durchführen können. Deren Ergebnis lautete:Wir wollen zu Russland. Ist denn so ein Fleckchen Hochgebirgsland ohne Bodenschätze, ohne nennenswerte Wirtschaftskraft für Russland wirklich so wichtig? Wichtig ist für den Kreml sein Einfluß in der Region. Dafür lässt man sogar Panzer auffahren. Russland – Erbe einer Weltmacht – ist im geopolitischen Machtgefüge abgesunken auf das Niveau einer größeren Regionalmacht. Das ist schon schlimm genug. Um als Regionalmacht die Fäden in der Hand zu behalten, hat Moskau die Ex-Sowjetrepubliken zur Gründung der “Union unabhängiger Staaten” – GUS – veranlasst. Dass die dann ihre eigenen Wege gehen oder sich mit der NATO verbünden, mag man im Kreml gar nicht.