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Lebenslang wegsperren oder kastrieren? Frankreich streitet über den wirksamsten Kampf gegen Kinderschänder

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Lebenslang wegsperren oder kastrieren? Frankreich streitet über den wirksamsten Kampf gegen Kinderschänder

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Nach dem Skandal um einen Wiederholungstäter, der nach seiner Entlassung einen Fünfjährigen missbrauchte, will die Regierung die Gesetze verschärfen. Ärzte, Juristen und Oppositionspolitiker protestieren.

Die Ministerrunde um Präsident Nicolas Sarkozy bereitete am Montag die Weg für ein Gesetz, wonach Sexualstraftäter nicht mehr vorzeitig aus der Haft entlassen werden sollen. Und: “Häftlinge dieses Types werden am Ende ihrer Strafe von einem Ärzte-Gremium überprüft werden, und wenn dieses Gremium sie als gefährlich einstuft, werden sie nicht mehr in die Freiheit entlassen, sie werden in eine geschlossene Anstalt eingewiesen”, erklärte Sarkozy höchstpersönlich vor der Presse.

Solche Krankenhäuser findet man zum Beispiel in Deutschland. François Bes von der Menschenrechtsorganisation Observatoire International des Prisons in Frankreich kritisiert hingegen: “Eine solche einschränkende Maßnahme nach Ende der Strafe scheint völlig sinnlos. Es geht darum, die Zeit während des Vollzugs zu nutzen, um die medizinische Betreuung zu organisieren. Dies ist eine Art, die geltenden Karenzzeiten nicht anzuerkennen.”

Die Freilassung für diejenigen, die sich behandeln lassen wollen, würde unter der Bedingung stehen, dass sie eine elektronische Fessel annehmen, die erlaubt, sie jederzeit orten zu können. Eine Maßnahme, wie sie bereits in Großbritannien, Schweden, den Niederlanden oder den USA praktiziert wird.

Die zweite, eventuell alternative Bedingung wäre eine chemische Kastration, also eine regelmäßige hormonelle Behandlung, um den Sexualtrieb zu dämpfen.

“Man muss aber klarstellen, dass diese Behandlung auf Pädophile schwerer Störung beschränkt ist, erklärt der Psychater Serge Stoleru, “das heißt Pädophile, die sich wiederholt vergehen, weil sie ihren Trieb nicht kontrollieren können, weil dieser zu stark ist. Die Behandlung darf nicht unterbrochen werden, und sie darf niemals ohne eine gleichzeitige Psychotherapie verschrieben werden.”

Das Problem: Auch diese Behandlung kann nicht hundertprozentig das Rückfall-Risiko ausschließen. Und an den Mitteln für die dafür nötige psychologische Betreuung hapert es in den meisten Gefängnissen bislang…