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Einhundert Tage Sarkozy

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Einhundert Tage Sarkozy

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Nach den ersten einhundert Tagen seiner Regierung ist es vor allem der Präsident selbst, der sich den Franzosen eingeprägt hat: Nicolas Sarkozy immer unterwegs. immer in Eile, geschäftig, hyperaktiv, scheinbar immer und überall präsent, auch in den Medien – fast bis zum Überdruss. Während die Amtseinführung so wirkte als wolle Sarkozy zeigen, dass seine Familie intakt ist, erschien die Regierungsbildung weniger als staatstragender Akt. Sie sorgte jedoch für einige Überraschungen: Mit Bernard Kouchner machte der Präsident einen oppositionellen Sozialisten zum Außenminister. Die Regierung macht die Musik, doch Sarkozy gibt den Ton an und das Orchester folgt selbst der kleinsten Bewegung. Als Premierminister spielt Francois Fillon zwar die erste Geige – allerdings weiter hinten, zwischen Klarinetten und Oboen so zusagen. Ebenso viele Frauen wie Männer sollten in der Regierung sein, schließlich aber wurden es elf von 32. Doch immerhin: zum ersten Mal gehören drei Frauen afrikanischer Herkunft dazu. Er werde alle Versprechungen halten, versprach Sarkozy.

Der Nahverkehr werde selbst im Fall von Streiks nie wieder zum Erliegen kommen, Steuererleichterungen, autonome Universitäten, härtere Strafen für Wiederholungstäter. Die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern aus Gaddafis Gefängnissen scheint zunächst als habe Frau Sarkozy erfolgreich für die Menschenrechte gekämpft. Dann stellt sich heraus, dass Libyen im Gegenzug angeblich Waffen und ein Atomkraftwerk erhält. Die europäischen Regierungshäupter, die einen Monat vorher Beifall gespendet hatten, weil der nimmermüde Sarkozy den Konsens zur Verfassungsreform erwirkt hatte, legen diesmal die hohen Stirnen in Sorgesfalten. Dass es Sarkozy nicht gelungen ist, alle Hoffungen der französischen Häuslebauer zu erfüllen, mag noch dahingehen. Was wirklich Sorge bereitet, ist die Wirtschaft Frankreichs: sie wächst so gut wie gar nicht. Der jüngste Tabubruch jedenfalls ist für viele Franzosen ein Drama in drei Akten: Zum ersten Mal verbrachte ein französischer Präsident seinen Urlaub in den USA, dann hieß es, befreundete Unternehmer hätten diesen gesponsert und schließlich werden in den Medien auch noch die Speckfalten Sarkozys wegretuschiert!