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Ein kompromissloser, gradliniger Staatsmann: Raymond Barre ist tot

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Ein kompromissloser, gradliniger Staatsmann: Raymond Barre ist tot

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Der einstige Premierminister Frankreichs starb nach Nieren- und Herzproblemen mit 83 Jahren in einem Pariser Krankenhaus. Einer der wenigen französischen Politiker, der Karriere machte, ohne Mitglied einer Partei zu sein.

Als eine herausragende Persönlichkeit mit unabhängigem Geist würdigte ihn denn auch Präsident Sarkozy. Barres Weggefährte und Rivale Chirac nannte ihn einen großen Ökonomen und Europäer.

1976 war Barre Chirac als Premierminister gefolgt. Seine rigide Spar- und Anti-Inflationspolitik war äußerst unpopulär, doch fünf Jahre hielt er kompromisslos durch.

1988 bei der Präsidentschaftswahl trat er gegen Chirac an. Von dessen Partei bekämpft, hatten am Ende beide hinter dem Sozialisten Mitterand das Nachsehen.

Seine Kindheit verbrachte der Zentrumspolitiker auf der Insel Reunion. Der Vater, ein mehr oder weniger glückloser Geschäftsmann, verließ schon früh die Familie. Raymond machte nach erfolgreichem Jura-, Wirtschafts- und Politik-Studium zunächst Karriere als Professor für Ökonomie und Recht. Sein Handbuch zur Wirtschaftspolitik war für die Studenten über lange Jahre Standardwerk.

1967-72 bereitete Barre als Vizepräsident der Europäischen Kommission den Weg für die Währungsunion und den heutigen Euro.

Seinen Stempel drückte er auch der Stadt Lyon auf: Als Oberbürgermeister versuchte er in den Neunziger Jahren, eine internationale Metropole aus ihr zu machen.

Ein Schönheitsfehler in der fast makelllosen Vita: Nach dem Rückzug aus der Politik 2002 sorgte Barre mit seinen Äußerungen über Juden und der Verteidigung rechtsextremer Politiker für Empörung – auch in den Achtziger Jahren hatte er sich schon missverständlich geäußert. Den Verdacht des Antisemitismus wies Barre stets von sich.