Eilmeldung

Eilmeldung

Abdullah Gül - Präsident der Türkei

Sie lesen gerade:

Abdullah Gül - Präsident der Türkei

Schriftgrösse Aa Aa

Geschafft haben sie es im zweiten Anlauf – Abdullah Gül, und nicht zu vergessen – sein Parteichef Erdogan, der allen Boykottdrohungen zum Trotz an seinem Wunschkandidaten festhielt. An Güls Erfahrung gab es von Anfang an nichts zu deuteln, kaum ein türkischer Politiker kennt sich weltweit so gut aus.

Stein des Anstosses war eher die Gattin – bzw. deren Kopftuch. Ein Staatsoberhaupt, in dessen Familie man nicht den strikten laizistischen Kurs von Staatsgründer Atatürk verfolgt – das ist ein Bruch von einer Tragweite, wie man es sich in Westeuropa kaum vorstellen kann.

Sein verbindliches Lächeln gilt als sein Markenzeichen, nur in besonders schwierigen Verhandlungsmomenten mit der EU haben ihn ganz wenige Leute wütend gesehen.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler hat auch die akademische Bildung seiner Tochter gefördert, immer hart am Kopftuchverbot in staatlichen Universitäten entlang. Die Tochter trägt wie die Mutter privat das Kopftuch. In der staatlichen Universität, wo das verboten ist, verbirgt sie die eigenen Haare unter einer Perücke.

Gattin Hayrünissa, die das als Religions-Symbol verpönte Kleidungsstück konsequent trägt, hatte gegen das Verbot sogar schon vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage eingereicht – diese aber 2002 beim Regierungseintritt des Gatten zurückgezogen.

Abdullah Gül verteidigte die Haltung seiner Gattin – der nunmehrigen First Lady der laizistischen Türkei – mit dem Argument, mehr als die Hälfte der türkischen Frauen trage Kopftuch.

Dazu gehören natürlich nicht die Ehefrauen von Offizieren, denen ist das Kopftuch ausdrücklich verboten. Neue Spannungen mit der Armee sind vorprogrammiert. Die spielt in der Türkei eine Sonderrolle, sie versteht sich als Hüterin des Atatürk-Erbes. Und der Präsident hat mehr Macht als dem Militär lieb ist.

Bleibt die Frage, ob dieser Präsident sich entspannt genug geben wird an der Spitze des Staates, um Konfrontationen aus dem Wege zu gehen.