Eilmeldung

Eilmeldung

Der Präsident - die Gattin - und das Kopftuch

Sie lesen gerade:

Der Präsident - die Gattin - und das Kopftuch

Schriftgrösse Aa Aa

An dieses Bild werden sich die Türken nun gewöhnen müssen, auch jene, denen das islamische Kopftuch – getragen von der First Lady des Landes – geradezu als Blasphemie erscheint. Beim Kopftuchstreit geht es in der Türkei mittlerweile auch um den Machtkampf zwischen alter und neuer Elite.

Auf den Großstadtstrassen trifft man Frauen mit – und ohne. Diese kopftuchlose Türkin traut Abdullah Gül nicht über den Weg, sieht in ihm immer noch den Islamisten. “Stellen sie sich vor “, sagt sie, “sie kommen zu einem Empfang mit lauter modern gekleideten Leuten – und die Präsidentenfrau sieht aus als käme sie aus Saudi Arabien.”

Hayrünnisa Gül ist die erste türkische Präsidentengattin mit Kopftuch seit 1925. Geheiratet hat sie mit 15, durchaus üblich in Zentralanatolien, wo beide Familien ihre Wurzeln haben. Dort leben auch die meisten jener Türkinnen, für die das Kopftuch einfach dazu gehört. Argumente dafür klingen auch so wie bei dieser junger Frau:” vielleicht verschafft es Ruhe, erlaubt einem am sozialen Leben teilzuhaben und gibt etwas Selbstbewußtsein.”

Der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, wollte sein Volk auch über eine westlich-europäische Kleiderordnung reformieren. Gelungen ist ihm das bei jenem Teil der Gesellschaft, zu der die Leserinnen der türkischen Version der Frauenzeitschrift “Cosmopolitan” gehören. Die Chefredakteurinsagt: “ Wir verstehen uns selbst in der Türkei als sehr modern, sehr verweltlicht und damit geht das Image der First Lady natürlich nicht Hand in Hand, nicht mit der Art, wie wir uns modern fühlen wollen.”

Mit dem Präsidentenpaar Gül wird eine weitere Verbreitung dieses westlichen Lebensgefühls jedenfalls nicht befördert.