Eilmeldung

Eilmeldung

Russische Justiz präsentiert Schuldige im Mordfall Politkowskaja - erste Zweifel

Sie lesen gerade:

Russische Justiz präsentiert Schuldige im Mordfall Politkowskaja - erste Zweifel

Schriftgrösse Aa Aa

Die scheinbare Aufklärung des Mordes an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist bei Russen wie im Ausland auf Zweifel gestoßen. Knapp ein Jahr nach der Ermordung der regierungskritischen Journalistin machte die Justiz tschetschenische Kriminelle dafür verantwortlich, und wartete mit zehn Verdächtigen auf, die festgenommen wurden.

Generalstaatsanwalt Juri Tschaika verwies nach einem Gespräch mit Präsident Wladimir Putin aber darauf, dass Hintermänner im Ausland hinter dem Mord steckten: Die Ermittlungen hätten sie zu der Schlussfolgerung gebracht, dass nur Personen im Ausland ein Interesse daran haben konnten, Politkowskaja zu töten. Kräfte, die daran interessiert seien, das Land zu destabilisieren.

Der Mord an der Tschetschenien-Expertin im vergangenen Oktober deutete auf ein Auftragsverbrechen hin. Regierungskritiker hatten der Staatsmacht danach vorgeworfen, den Fall nicht ernsthaft aufzuklären. Bei einer Radio-Umfrage bezweifelten nun über achtzig Prozent der Befragten die Version der Justiz.

In Politkowskajas ehemaliger Redaktion begrüßte man zwar die Festnahmen, und natürlich sei diese Version möglich. Doch er sorge sich, dass der Fall in einem Wahljahr von verschiedenen Gruppen für ihre jeweiligen Ziele genutzt werden könne, formulierte der stellvertretende Chefredakteur es vorsichtig. Für die Medien ist klar: Der Kreml beschuldigt einmal mehr indirekt den Staatsfeind Nummer eins, den in London lebenden Oligarchen Boris Beresowski.