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Türkisches Parlament wählt neuen Staatspräsidenten - Sieg Abdullah Güls fast sicher

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Türkisches Parlament wählt neuen Staatspräsidenten - Sieg Abdullah Güls fast sicher

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Der derzeitige Außenminister Abdullah Gül wird aller Voraussicht nach der nächste türkische Staatspräsident. Am Dienstag findet im Parlament die dritte Wahlrunde statt, in der Gül nur mehr eine einfache Mehrheit von 276 Stimmen benötigt. In den beiden ersten Wahlgängen hatte Gül noch die dabei benötigte Zweidrittelmehrheit verfehlt.

Befürchtungen, Gül könnte einer schleichenden Islamisierung des Landes Vorschub leisten, teilt der türkische Kolumnist Murat Yekin nicht. Wenn Gül sein Versprechen einhalte, nicht an der säkularen Grundordnung zu rütteln, werde es keine Spannungen geben, sagt er. Das Militär allerdings ist anderer Ansicht. Armeechef Yasar Buyukanit warnte vor neuen Versuchen, die säkulare Ordnung zu untergraben und erklärte, die Streitkräfte seien entschlossen, die von Kemal Atatürk festgelegte Trennung von Staat und Religion zu verteidigen. Anzeichen dafür, dass die Armee direkt in den Wahlprozess eingreifen wolle, gab es zunächst jedoch nicht.

Auch in der Bevölkerung ist Gül umstritten. Er wäre der erste ehemalige Islamist an der Spitze des Landes, und auch die Tatsache, dass seine Frau ein Kopftuch trägt, sorgt für Misstrauen bei den westlich geprägten türkischen Eliten – obwohl Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wie auch Gül selbst mehrmals betonten, dass Gül die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Religion keinesfalls aufheben wolle.