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Libanons schwieriger Umgang mit den palästinensischen Flüchtlingen im Land

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Libanons schwieriger Umgang mit den palästinensischen Flüchtlingen im Land

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“Nahr al-Bared” bedeutet “Kalter Fluß”. Unterkühlt sind auch die Beziehungen zwischen Palästinensern und libanesischer Staatsgewalt. Die befürchtet nicht weniger als einen “Staat im Staate”, wie ihn die Palästinenser einst in Jordanien aufzubauen versuchten, ehe König Hussein sie mit 1970 mit Gewalt daran hinderte – was als “Schwarzer September” in Erinnerung blieb.

Libanons Regierungschef Fuad Siniora hat seine Soldaten für – so wörtlich – “ den größten Sieg über den Terrorismus “ gelobt . Er hat den Wiederaufbau des Lagers Nahr al-Bared angekündigt, das er künftig aber von libanesischen Behörden kontrollieren lassen will.

Siniora will die Waffen ´raus haben aus den Lagern. Verständlich, wenn man sich vorstellt, dass im Staat Libanon mit weniger als 4 Millionen Einwohnern rund 400.000 palästinensische Flüchtlinge leben. Libanon ist übersät von palästinensischen Flüchtlingslagern. Während im Süden in vier Lagern mit insgesamt rund einhunderttausend Bewohnern die Fatah das Sagen hat, haben im Norden mehr und mehr Radikale an Einfluß gewonnen.

Opfer der Machtkämpfe zwischen libanesischer Armee und Islamisten sind in jedem Fall die Lagerbewohner, die nichts weiter wollen, als so schnell wie möglich wieder ihre Häuser aufzubauen und arbeiten zu gehen. Diese Kämpfe haben das Grauen von Sabra und Schatila wieder in Erinnerung gerufen, als 1982 christliche Milizen unter den schutzlosen Flüchtlingen dieser beiden Lager ein Massaker anrichteten.

Aus dieser furchtbaren Erfahrung leiten die Palästinenser bis heute das Recht ab, in den Lagern Waffen zu tragen, was nun in Nahr el-Bared eine extremistische Gruppe ausgenutzt hat, der Verbindungen sowohl zu Al-Kaida als auch zum syrischen Geheimdienst nachgesagt werden.

Beides für das höchst sensible multikonfessinelle Proporzsystem im Zedernstaat destabilisierende, ja Existenzbedrohende Elemente. Wie es aussieht, ist den pro-westlichen Kräften um Regierungschef Siniora kurz vor der Präsidentenwahl so etwas wie ein Befreiungsschlag gelungen. Die Frage ist, ob es ihnen nun auch gelingt, die Machtverhältnisse in den Lagern zu verändern.