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Bekommt Marokko eine Islamistenregierung?

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Bekommt Marokko eine Islamistenregierung?

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Alle Umfragen deuten auf ein erfolgreiches Abschneiden der “Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung” bei dieser Parlamentswahl in Marokko. Vielleicht wird es sogar ein klarer Wahlsieg. Allerdings wird viel von der Höhe der Wahlbeteiligung abhängen, die man als Maßstab für das Vertrauen der Bürger in die Rechtsstaatlichkeit in ihrem Königreich ansehen kann.

Der Fischer, der auf dem Markt seinen Fang verkauft, sagt, er werde nicht zur Wahl gehen. Mit dieser Haltung steht er sicher nicht allein.

Die Partei “Gerechtigkeit und Entwicklung” trägt nicht nur den gleichen Namen wie die türkische Regierungspartei – sie sieht in der AKP auch ihr Vorbild. Sie möchte nicht “islamistisch” sondern ob ihrer gemäßigten Haltung lieber “islamisch” genannt werden. Von Scharia ist keine Rede und mit der “Islamischen Heilsfront” FIS im Nachbarland Algerien möchte diese Partei schon gar nicht verglichen werden.

In ihrem Wahlkampf ist viel vom Kampf gegen Korruption die Rede, was auch als bestes Mittel gerühmt wird, Neigungen zu Terrorismus gar nicht erst aufkommen zu lassen, wie Parteiführer Abdelilah Benkiran in seiner Rede betont. Als diese Partei vor 5 Jahren erstmalig bei Wahlen antrat, gewann sie aus dem Stand 42 der 325 Sitze und wurde dritt-stärkste Kraft im Parlament. Diesmal trauen ihr Beobachter zu, diese Zahl zu verdoppeln.

Unzufriedene Bürger gibt es genug, nicht nur in den Slums. Allerdings zeigt keine andere Partei Neigungen, mit den gemäßigten Islamisten zu koalieren. Und über das Kabinett nebst Ministerpräsident entscheidet ohnehin der König persönlich. Der hatte vor 5 Jahren mit einer Mitte-Links-Regierung aus sechs Parteien unter Leitung eines parteilosen Technokraten einen guten Griff getan.

Nicht nur der König ist daran interessiert, dass Marokko einer der engsten Verbündeten des Westens in der arabischen Welt bleibt.