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Wahlkampfthema: soziale Unterschiede

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Wahlkampfthema: soziale Unterschiede

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In Marokko wird morgen gewählt. Die stärkste Kraft könnte dabei die gemäßigte islamische Partei werden. Schluss mit der Korruption, dafür mehr Seriosität, das werde der “Mehrwert” einer islamischen Regierung, prophezeit Parteiführer Sâad Eddine Othmani. Auch die Scharia steht nicht mehr im Wahlprogramm, wie bei den islamisch-konservativen in der Türkei. Den Regierungschef aber ernennt letztlich König Mohammed der 6., und nach der Verfassung muss das nicht unbedingt der Wahlsieger sein.

Soziale Unterschiede bestimmten den Wahlkampf, denn die sind groß im Königreich Marokko. Kaum 15 Prozent der Einwohner teilen sich 80 Prozent des Reichtums, für sie gelten westliche Standards, auch in der Freizeit: Am Privat-Strand von Bouznika trifft sich Jugend der höheren Mittelklasse sagt Mounia, reich geschminkt und im Bikini. Man amüsiere sich hier und es gäbe sogar große Musikfestivals.

In armen Vorstädten oder Dörfern wie Drawa – kaum zwei Stunden Autofahrt ins Landesinnere vom Feriensort Bouznika – leben die anderen 85 Prozent der Einwohner. Hier denkt kaum jemand an Strandurlaub: “Der einzige Weg, um Wasser zu hohlen ist mit dem Esel”, erklärt Latifa. Je nach Trockenheit sei der Brunnen zwischen einem und vier Kilometern entfernt. Viele Arme bleiben arm, die Reichen werden immer reicher. Das ist der Nährboden für die islamische Partei. Doch wissen auch die anderen Formationen, dass die Überwindung der Unterschiede über Marokkos Zukunft entscheiden wird.