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Sprachenstreit in Belgien weiter angeheizt

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Sprachenstreit in Belgien weiter angeheizt

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Eine kleine Gemeinde am Rande von Brüssel hat den alten Sprachenstreit in Belgien verschärft, – einen Streit, der seit den Wahlen vor drei Monaten die Regierungsbildung blockiert: Die überwiegend niederländisch-sprachige Kommune Halle – französisch: Hal – will alle zweisprachigen Schilder aus dem Gemeindegebiet verbannen. Der Stadtrat kündigte eine Verordnung an, die es auch Privatunternehmen und Privatpersonen untersagt, zweisprachige Schilder aufzustellen – etwa Warnhinweise an Baustellen. Das sei nur gerecht, sagte eine Einwohnerin – auf Niederländisch: Die französisch-sprachigen Wallonen seien ja auch nicht verpflichtet, Schilder niederländisch zu beschriften. “Idiotisch” fand es hingegen eine junge Frau: Schließlich gebe es hier auch Touristen, die Niederländisch nicht verstünden. Einer der stellvertretenden Bürgermeister von Halle, Mark Demesmaeker, sagte, das Problem mit den Sprachengesetzen Belgiens sei, dass sie oft nicht angewandt würden. Das habe schwerwiegende Folgen, und auch das übrige Flandern müsse das anerkennen. Die Gemeinde Halle liegt in der Region Flandern, doch die flämischen Kommunen am Rande der Hauptstadt Brüssel sind weitgehend zweisprachig.

Das Parlament Flanderns sprach sich am Montag gegen eine Volksabstimmung über die volle Unabhängigkeit der Region aus. Der Fraktionsvorsitzende der separatistischen Partei Vlaams Belang, Filip Dewinter, hatte die Abgeordneten aufgefordert, den historischen Augenblick der Regierungskrise zu nutzen. Meinungsumfragen zufolge gibt es in der flämischen Bevölkerung keine Mehrheit für eine Loslösung von Belgien.