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Rentenreform in Frankreich

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Rentenreform in Frankreich

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Die Dringlichkeit der Rentenreformen ergibt sich in allen Industriestaaten aus der demografischen Entwicklung. Immer weniger Berufstätige müssen die Leistungen für immer mehr Rentner aufbringen.

In Frankreich streitet man vor allem um die sogenannten “regimes speciaux” , eine Art “Sonderversorgungssysteme”, die nach dem II.Weltkrieg für Staatsdiener eingerichtet wurden.

Im privaten Sektor liegt das Renteneintrittsalter bei 60 Jahren – im öffentlichen Dienst teilweise schon bei 50. Den privat Beschäftigten wird die Rente auf der Basis der 25 besten Verdienstjahre berechnet – den Staatsdienern nach dem Gehalt der letzten
6 Monate

Zu den Nutznießern der Sonderversorgungssysteme gehören die Beschäftigten – nebst Familien – der ehemals staatlichen Gas- und Stromversorger, der staatlichen Eisenbahn – auch jene der Oper von Paris, alle Priester, Angestellte von Notariaten, Bergarbeiter – und sogar die Parlamentarier.
Manche Priviliegien, wie die der Fischer, stammen noch aus dem 17. Jahrhundert.

Einige Beispiele:
Die Strom- und Gasarbeiter brauchen nur 37-einhalb Jahre Beiträge zu zahlen ( nicht 40 wie die privat Beschäftigten). Dafür hat ihre Pensionskasse auch ein Loch von 340 Millionen Euro.
Noch teurer ist die Versorgung der Eisenbahner, die teilweise schon mit 50 in Pension gehen.
Das Defizit ihrer Kasse liegt bei drei Milliarden euro.

Bei den Pariser Verkehrsbetrieben RATP genießen die Busfahrer ihre Pension mit 50,
die Maschinisten mit 55 – und diese Regelung verteidigen sie mit Klauen und Zähnen:
Maschinist Christophe Tolle sieht das nicht als Privileg sondern als gerechten Ausgleich für Beschwernisse und Gefahren der Arbeit. Eine Art von Besserstellung vermag er nicht zu erkennen, weshalb an dem System auch nichts verändert werden dürfe.

Carlos Dantas fährt private Busse.
Er muss 40 Jahre lang Beiträge zahlen und bekommt dann 20 Prozent weniger Rente als sein Kollege beim Staat. Er sagt: “Ich darf erst mit 65 in Rente, das wirkt sich doch auch auf die Sicherheit aus.”

1995 unternahm mit Premier Alain Juppe schon einmal ein Politiker den Versuch, die “regimes speciaux” zu reformieren.
Er wurde samt seiner Ideen “hinweggestreikt”.