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Milch und Brot teurer - EU will mehr Getreide anbauen lassen

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Milch und Brot teurer - EU will mehr Getreide anbauen lassen

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Die Getreidepreise explodieren. Deshalb dürfen Europas Landwirte mehr Getreide anbauen. Die Agrarminister setzten das Anbauverbot für die Aussaat in diesem Herbst und im kommenden
Frühjahr aus. Es galt bisher für zehn Prozent der Felder.

Der Vorschlag stammt von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Sie hofft, dass so 10 bis 17 Millionen Tonnen zusätzlich geerntet werden können.

Auf den Weltmärkten werden zur Zeit
Spitzenpreise gezahlt – unter anderem wegen schlechter Ernten in Europa und Australien und der Konkurrenz durch Agrarsprit. Mais wurde auf dem Weltmarkt binnen Jahresfrist um 85 Prozent teurer, Weizen um 60 Prozent.

Die Folge: Auch Grundnahrungsmittel wie Milch und Brot steigen im Preis.

Hohe Agrarpreise und knappes Angebot bringen auch zwei weitere Pfeiler der EU-Lenkungswirtschaft ins Wanken.

- Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Milchprodukten wird in vielen Ländern über eine Lockerung der Milchquoten diskutiert. Polen will eine deutliche Anhebung der Quote im nächsten Jahr, Spanien ist auch dafür. Die ursprünglich zur Begrenzung von Überschüssen eingeführte EU-Milchquotenregelung soll im Jahr 2015 auslaufen.

- Die Importzölle auf Getreide aus Drittländern könnten für ein Jahr auf Eis gelegt werden – auch dafür will sich Kommissarin Fischer Boel einsetzen.

Ursprünglich sollte die künstliche Angebotsverknappung Butter- und Fleischberge abbauen und Milchseen austrocknen. Inzwischen denkt die portugiesische Ratspräsidentschaft laut darüber nach, strategische Getreide-Reserven einzulagern. Der wichtigste Getreideproduzent der EU war auch gleich dafür – Frankreich.

Der sogenannte Flächenstilllegungssatz war 1988/89 auf
freiwilliger Basis eingeführt worden. Von 1992 an galt er
verpflichtend. Derzeit fallen etwa 3,8 Millionen Hektar in der
EU unter diese Regelung. Die Maßnahme zielte damals darauf, die
Überschussproduktion in der EU zu drosseln.

Das EU-Programm zur Flächenstilllegung von 1992 legt jedes Jahr einen neuen Stilllegungsanteil fest, auf Basis der Erntemengen des Vorjahres. Doch die knapp gewordenen Anbauflächen und die geringen Vorräte in den Getreidespeichern haben die EU-Kommission auf Druck von Deutschland, Frankreich und Schweden zum Umdenken gezwungen.
“Wir müssen aufpassen, dass die Preise nicht ausufern und darum schlagen wir jetzt vor, dass für genau ein Jahr der Zwang zur Flächenstilllegung ausgesetzt wird”, so die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel.
In der EU sind derzeit insgesamt 3,8 Millionen Hektar Anbaufläche stillgelegt. 2,9 Millionen Hektar davon sind fruchtbar genug und könnten direkt wieder bebaut werden. Das würde immerhin 10 Millionen Tonnen zusätzliches Getreide bringen.