Eilmeldung

Eilmeldung

Frankreich streikt gegen Rentenreform

Sie lesen gerade:

Frankreich streikt gegen Rentenreform

Schriftgrösse Aa Aa

Frankreich, ein Land der Widersprüche: Zur Zeit wird gestreikt. Der Ausstand gilt der geplanten Reform der Sonderversorgungssysteme. Obwohl eine erst jüngst durchgeführte Umfrage gezeigt hat, dass 63 Prozent der aktiven Bevölkerung nichts dagegen haben, bis zum 65. Lebensjahr zu arbeiten. “Wir leben länger, zahlen aber nicht länger in die Rentenkassen, das ist nicht zu finanzieren”, so Staatschef Nicolas Sarkozy, der die Reform durchsetzen will. “Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit Franzosen, die 40 Jahre beziehungsweise 37,5 Jahre einzahlen, ist nicht länger möglich.” Die Sonderversorgungssysteme betreffen mehr als 120 Berufe. Mehr als eine Million Rentner profitieren heute davon, eine weitere halbe Million kommt bald hinzu. Die ausgezahlten Renten machen 6,4 Prozent der gesamten Rentenmasse aus. im vergangenen Jahr hat das den französischen Staat fünf Milliarden Euro gekostet.
Ziel der Reform: Die Arbeitszeit in allen Bereichen auf 40 Jahre zu erhöhen. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Einkommen des letzten halben Jahres. Einige der Sonderversorgungsrechte gehen auf das 19. Jahrhundert zurück, doch die meisten erkämpften sich einzelne Berufsgruppen nach dem Zweiten Weltkrieg, so die Angestellten des staatlichen Energie-Unternehmens EDF/GDF.
Das gilt auch für die Angestellten des staatlichen Eisenbahn-Unternehmens, das ein Defizit von drei Milliarden Euro hat. Die Sonder-Regelungen betreffen Renten, Krankengeld und finanzielle Hilfsleistungen für Familien. In ihren Genuß kommen fast 370.000 Angestellte sowie ihre Angehörigen. Nutznießer sind auch Notare sowie das Personal der Pariser Oper. Die Sonderregelungen für deren Ensemble entstanden zur Zeit Ludwig XIV., im 17.
Jahrhundert. Nicht zuletzt genießen Abgeordnete und Senatoren Privilegien. Abgeordnete können sich mit 55 und Senatoren mit 53 verrenten lassen – und – die Arbeitsjahre zählen doppelt. Die Damen und Herren werden aber – wohl oder übel – für die Reform stimmen!