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Belgischer Sprachenstreit - ohne Ende

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Belgischer Sprachenstreit - ohne Ende

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“Belgie barst”! Das ist niederländisch und heisst “Belgien zerbreche”. Ausgestoßen wurde dieser Wutschrei am Montagabend von militanten Flamen in einem Vorort von Brüssel. Ihnen gefiel nicht, was da im Gemeindeamt von Wezembeek-Oppem besprochen wurde. Wezembeek-Oppem gehört zu jenen Gemeinden im Umkreis der Hauptstadt, in denen mehrheitlich französisch sprechende Familien wohnen.

Bei dieser Sitzung ging es um die Forderung, Unterlagen für Gemeindewahlen auf Französisch herausgeben zu dürfen – was die flämische Regionalregierung untersagt hatte. Dann ging es um den Antrag, die Gemeinden der zweisprachigen Region Brüssel zuzuschlagen… und schließlich um das Recht der Gemeindevertreter, bei den Sitzungen sich ihrer französischen Muttersprache zu bedienen – so wie es einer von ihnen demonstrierte… “Le conseil communale exige la nomination sans délais de son bourgmestre…”

Beenden konnte er seinen französischen Satz nicht, weil ihn ein Frank Van Heck, Europa-Abgeordneter und Vorsitzender der flämischen Partei “Vlaams Belang” unterbrach mit der Behauptung, in diesem Gemeinderat dürfe nur flämisch gesprochen werden. Seit 1993 ist Belgien ein Bundesstaat, der aus drei Kultur-Gemeinschaften besteht: Der Flämischen im Norden, der Französischen im Süden und einer sehr kleinen deutschen.

Für die Hauptstadt Brüssel wurde Zweisprachigkeit vereinbart. Die Kulturgemeinschaften sind nicht deckungsgleich mit den Regionen. 6 Gemeinden mit überwiegend französisch sprechenden Einwohnern rund um Brüssel liegen auf flämischem Boden und unterstehen der flämischen Regionalregierung.

Die Flamen sprechen eine Variante des Niederländischen und wollen das in der gesamten Region durchsetzen. Der Soziologe Vincent de Coorebyter erklärt die flämische Interpretation des Gesetzes so: Danach sollte Zweisprachigkeit auch in diesen Gemeinden nur als Übergangslösung gedacht gewesen sein, bis eine neue Generation Niederländisch in der Schule gelernt habe und es in allen Alltagssituationen anwenden könne.

Militante Flamen, denen das nicht schnell genug geht, zerstören oder beschmieren immer wieder die französisch-sprachigen Schilder in diesen Gemeinden. Übrigends: Belgien ist vor allem wegen des Sprachenstreits schon seit 135 Tagen ohne Regierung….