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Formel-1-Rekord-Weltmeister Michael Schumacher im Interview über sein neues Leben, alte Rivalen und den neuen Formel-1-Stern Lewis Hamilton

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Formel-1-Rekord-Weltmeister Michael Schumacher im Interview über sein neues Leben, alte Rivalen und den neuen Formel-1-Stern Lewis Hamilton

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Ein Jahr nach seinem Ausstieg aus dem Rennwagen bekommt der Schweiz lebende Deutsche den Prinz-von-Asturien-Preis. Dabei setzte er sich immerhin gegen starke Konkurrenten wie Raphael Nadal und Roger Federer durch. Für EuroNews nahm sich der 38-jährige in Salzburg etwas Zeit.

EuroNews: Michael Schumacher, herzlichen Glückwunsch zum Prinz-von-Asturien-Preis 2007 in der Kategorie Sport. Sie bekommen diese Auszeichnung für Ihre große sportliche Karriere und für Ihr soziales Engagement. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Michael Schumacher: Sie haben es gerade angesprochen. Nicht nur für die sportliche Variante, sondern auch für das soziale Engagement geehrt zu werden, das ist natürlich eine sehr interessante Auszeichnung. Gerade diese Auszeichnung ist sehr speziell, allein der Name ist schon sehr speziell, insofern freut es mich natürlich. Es freut mich besonders für die Momente, die wir mit Ferrari zusammen erleben durften, die Erfolge, die wir gefeiert haben. Jetzt, ein Jahr nachdem ich meine Karriere beendet habe, so einen Preis überreicht zu bekommen, das wird dann schon ein emotionaler Moment sein.

EuroNews: Vor knapp einem Jahr haben Sie aufgehört, Rennen zu fahren. Damals haben Sie gesagt, Sie wollten bewußt die Langeweile suchen. Wie ist sie denn, die Langeweile?

Michael Schumacher: Das ist sehr interessant. Also, die Langeweile ist nie irgendwie eingetreten. Ich bin davon ausgegangen, daß der Terminkalender ziemlich leer sein wird, daß ich doch extrem viel Zeit zuhause verbringen werde, und das dann entsprechend Langeweile vorhanden sein würde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt so viele schöne Dinge, daß das Jahr doch schnell vorbei gegangen ist, sodass ich mich auch auf die nächsten Jahre unheimlich freue, weil dieser Termindruck nicht mehr vorhanden ist und man frei entscheiden kann, was man wann wie und wo machen möchte und das ist ein Luxus: den in jungen Jahren zu haben, das ist schon was ganz besonderes, womit ich sehr viel Spaß habe.

EuroNews: Sie galten als Formel-1-Fahrer als jemand, der sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, was ist denn jetzt das Wesentliche für Sie?

Michael Schumacher: Das ist natürlich an erster Stelle die Familie, gar keine Frage. Aber es gibt natürlich auch meine Hobbies, den Fußball, den ich etwas intensiver betreiben kann. Das Harley-Fahren, das heißt das Motorradfahren, ist auch schon immer ein Hobby gewesen, für das ich mehr Zeit hab und natürlich meine Aufgabe bei Ferrari als Berater für die Straßenfahrzeuge. Das sind Bereiche, in die ich etwas tiefer einsteigen kann und die ich auch sehr genießen kann.

EuroNews: Sie sind Rekord-Weltmeister, Sie haben auch sonst fast alle Rekorde in der Formel 1 gebrochen, die es gibt. Wie betrachten Sie selbst Ihre Karriere – jetzt, mit dem vielleicht nötigen Abstand?

Michael Schumacher: Ich habe nie viel Zeit damit verbracht, mir Gedanken über meine Karriere oder die Vergangenheit zu machen. Ich habe immer in der Gegenwart und Zukunft gelebt und in sofern hat sich das auch nicht geändert.

EuroNews: Aber vielleicht könnten Sie mir sagen: welcher war denn der schönste WM-Titel von den sieben, die Sie gesammelt haben?

Michael Schumacher: Zeitgleich der Schönste und Wichtigste war natürlich der im Jahr 2000. Nach 21 Jahren für Ferrari ohne Titel. Nach verschiedenen Anläufen, die sowohl durch meine Fehler als auch durch andere Umstände nicht zustande gekommen sind, nach 1997 und 1998 im Jahr 2000 endlich den Tiel zu holen ins italienische Maranello und die Glocken dort läuten zu hören, das war schon ein ganz besonderer Moment.

EuroNews: Sie wurden für Ihre Erfolge bejubelt. Wenn Sie dann aber mal einen Fehler gemacht haben oder wenn andere dachten, Sie hätten einen Fehler gemacht, dann wurden Sie dafür auch heftig kritisiert auf der anderen Seite. Sowohl von den Medien als auch von einigen Kollegen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Michael Schumacher: Wissen Sie, im Leben kann man sich sehr schnell und sehr einfach an den schlechten Dingen festhalten oder sich negativ darüber auslassen. Aber man kann auch die positiven Aspekte aus diesen Erfahrungen mitnehmen. Und ich hab versucht, daß in solchen Momenten immer zu tun. Das Positive an der Sache ist, daß ich niemals so kritisiert worden wäre, wäre ich nicht so erfolgreich gewesen. Das war leider sehr oft der Fall. Denn Neid muß man sich sehr hart erarbeiten.

EuroNews: Sie sind mit vielen großen Rivalen gefahren: Jaques Villeneuve, Mika Häkkinen oder natürlich auch Fernando Alonso. Gibt es da ein Duell, das Sie hervorheben würden?

Michael Schumacher: Ich hab sehr oft das Duell mit Mika Häkkinen erwähnt, weil ich das persönlich als eine sehr angenehme Erfahrung empfunden habe. Wir waren Kollegen, die hart auf der Rennstrecke miteinander umgegagnen sind. Wir hatten kein privates Verhältnis im Sinne von Freundschaft oder Urlauben, die wir gemeinsam verbracht hätten, sondern wir haben uns ganz einfach respektiert. Das fand ich sehr angenehm, daß wir uns immer auf das Wesentliche konzentrieren konnten und uns nicht über irgendwelche Grabenkämpfe den Kopf machen mußten.

EuroNews: Grabenkämpfe? Haben Sie da ein Beispiel?

Michael Schumacher: Ja, es gab da ja schon den einen oder anderen, der in Momenten der Kritik versucht hat, noch eins drauf zu setzen oder der sie sogar entfacht hat. Ich glaube nicht, daß es Sinn macht, Namen zu nennen, aber wer sich noch ein bißchen erinnern kann, weiß sicher, wer gemeint ist.

EuroNews: Was halten Sie von Lewis Hamilton?

Michael Schumacher: Ich denke, von Lewis Hamilton kann man nur eines halten. Er ist eine Bereicherung für die Formel 1. Mit dem Faktor Lewis Hamilton hat die Formel 1 doch sehr viel an Spannung dazugewonnen. Da kommt so ein junger Kerl daher und bügelt gleich mal alle … Nein, von Lewis Hamilton kann man im Prinzip nur sehr positiv reden. Er ist eine sehr angenehme Erscheinung, er versprüht dieses positive Ambiente, das so ein Neuling mit sich bringt. Dazu kommt die Erfahrung, die er sich natürlich über die Jahre in den Gokart- und Formel-Klassen erarbeitet hat, und damit auch perfekt vorbereitet war, das darf man nicht unterschätzen. Aber man darf auch nicht unterschätzen, was er in diesem Jahr geleistet hat.