Eilmeldung

Eilmeldung

Präsidentin Kirchner und Argentiniens Wirtschaft

Sie lesen gerade:

Präsidentin Kirchner und Argentiniens Wirtschaft

Schriftgrösse Aa Aa

Es hat geklappt mit dem Machtwechsel innerhalb der Familie Kirchner. Aber die Wahlsiegerin ist viel zu sehr erfahrene Politikerin, um auch nur einen Moment zu vergessen, dass sie die schwersten Tage noch vor sich hat.

Alle, die heute feiern, erinnern sich nur zu gut: Chaos und Verzweiflung sind erst 6 Jahre her Die Hausfrauen der Mittelklasse gingen auf die Straße! Lautstark protestierend und nach den Verantwortlichen rufend! Zu Tausenden stürzten solide brave Bürger ab in finstere Armut.

Nestor Kirchner übernahm das Land in der tiefsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Kirchners gehören zum linken Flügel der neo-peronistischen “Gerechtigkeitspartei”. Nach europäischem Politikverständnis könnte man diese Richtung als sozialdemokratisch bezeichnen.

Nestor Kirchner machte Schluß mit dem neo-liberalen Wirtschaftskurs und führte das Land wieder auf dem Wachstumspfad. 8,5 Prozent in diesem Jahr, mehr als 6 Prozent für 2008 im Blick – die Europäer können bei solchen Wachstumszahlen nur vor Neid erblassen.

“el alza” heisst das Schlagwort auf den Titelseiten – “der Aufschwung”. Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit noch über 10 Prozent und 30 Prozent der Argentinier leben unterhalb der Armutsgrenze. Die größte Sorge der Argentinier gilt der Inflation, 9 Prozent laut offizieller Statistik – 15 bis 20 Prozent sagen unabhängige Experten.

Zu offiziellen Verlautbarungen haben die Argentinier längst kein Vertrauen mehr. Sie haben Angst, die Hyper-Inflation der 80er Jahre könnte sich wiederholen. Mit Sorge betrachten nicht nur Hausfrauen beim täglichen Einkauf die Preisentwicklung Die alte Dame stöhnt, alles werde immer teurer, sogar die Tomaten. Alles. Und auch die junge Frau neben ihr beklagt die schlechten Zeiten. Um die Wirtschaft stehe es schlimm – und könne eigentlich nur noch schlimmer werden.

Argentiniens absolute Schwachstelle ist die Infrastruktur. Ob Stromversorgung oder Krankenhäuser – überall werden dringend Investitionen gebraucht. Wohl deshalb hat das Präsidentenpaar noch vor dem Stabwechsel dem neuen Chef des Internationalen Währungsfonds, dem Franzosen Dominique Strauss-Kahn, in Washington einen Besuch abgestattet.