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Interview mit dem albanischen Präsidenten Bamir Topi

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Interview mit dem albanischen Präsidenten Bamir Topi

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Seit Juli hat Albanien ein neues Staatsoberhaupt. Bamir Topi, der als Präsident großen Einfluß auf die Außenpolitik seines Landes hat, möchte es so schnell wie möglich in die EU und in die NATO führen. Die EU wird sich am 6. November mit dieser Frage befassen. Dabei geht es nicht nur um die Bekämpfung von Kriminalität und Korruption in Albanien – sondern natürlich auch um die – im doppelten Sinne – “naheliegende” Kosevofrage.

EuroNews: Wie stehen Sie zu einer möglichen Unabhängigkeitserklärung der Kosovaren? Halten Sie das für eine verantwortungsbewußte Lösung?

Bamir Topi: Wenn keine andere Lösung gefunden wird, soll heissen, wenn internationale Gremien zu keiner übereinstimmenden Antwort finden, dann bliebe als Letztes die einseitige Anerkennung, um die Stabilität auf dem Balkan zu bewahren. Dabei wird Albanien nicht der erste Staat sein, der ein eventuellen Unabhängigkeitserklärung anerkennt. Und zwar, weil unsere Politik darauf ausgerichtet ist, in Übereinstimmung mit der internationalen Gemeinschaft zu handeln.

EuroNews: Sie wissen, dass nicht alle EU-Staaten eine einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo befürworten?

Bamir Topi: Ich glaube, dass Albanien in die Gegenwart und wohl auch in der Zukunft eine Vermittler- und eine Stabilisierer-Rolle zu spielen hat. Das entspricht der Linie unserer Außenpolitik. Albanien geht davon aus, das, wenn nach der Hundert-Tage-Frist keine Lösung in Sicht ist, wir die Durchsetzung des Ahtissari-Planes befürworten werden.

EuroNews: Machen Sie sich Sorgen um die Stabilität in der Region? Glauben Sie, dass ein NATO-Beitritt Albanien künftig mehr Stabilität geben würde?

Bamir Topi: Zuerst einmal denke ich, dass die Stabilität in der Region von den guten Beziehungen abhängt, die wir zwischen den Nachbarländern auf dem Balkan aufgebaut haben. Zweitens muss Albanien alles in seinen Kräften stehende tun, damit in der Kosovo-Frage eine Lösung erzielt wird, die langfristig Sicherheit bringt. Ich glaube nicht, dass uns Unsicherheit auf dem Balkan erwartet. Denn der NATO-Beitritt der drei Adria-Anrainer Albanien, Kroatien und Mazedonien wird einen großen Beitrag leisten zu langfristiger Stabilität in dieser Region.

EuroNews: Ist die Kosovo-Frage ein Hindernis für einen EU-Beitritt von Serbien und Albanien?

Bamir Topi: Ich glaube, die Lösung der Kosovo-Frage wird für Serbien eine psychologische Befreiung darstellen und eine Orientierung in Richtung auf seine Integration in europäische und atlantische Gremien. Das haben schon mehrere politische Beobachter festgestellt, die alle sagen, nach einer Lösung des Kosovo-Problems wird Serbien sich viel klarer in Richtung auf eine europäische Integration orientieren.

EuroNews: Glauben Sie, dass eines Tages die zwei von Albanern bewohnten Länder einander näher rücken werden?

Bamir Topi: Eine solche Idee kommt nicht in Betracht. Ich glaube, die Zukunft unserer Länder – und damit meine ich Kosovo, Albanien, Serbien und einige andere auf dem Balkan – wird in der Europäischen Union zu finden sein. Ich meine, unsere Zukunft wird in diesem größeren Rahmen entschieden. Wir können jetzt nicht sagen, welches Land zuerst in der EU ankommen wird, ob es Albanien oder Kosovo sein wird. Aber die albanische Außenpolitik läuft klar auf dieses Ziel hinaus.