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Nach Misshandlungsfall: Italien will kriminelle EU-Bürger ausweisen - Rumänen fürchten Stigmatisierung

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Nach Misshandlungsfall: Italien will kriminelle EU-Bürger ausweisen - Rumänen fürchten Stigmatisierung

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Nach der brutalen Mißhandlung einer Italienerin in einem römischen Elendsviertel greifen die Behörden zu drastischen Maßnahmen. Zwei Tage haben die Bewohner – zumeist Roma aus Rumänien – Zeit, um ihre Hütten zu räumen. Dann sollen Bulldozer sie dem Erdboden gleich machen. Als Verdächtigen hatte die Polizei einen 24-jährigen Rumänen aus dem Camp festgenommen. Alle müsste sie jetzt weg, wegen eines einzelnen, so ein Landsmann, und er schwört Rache: Dafür werde er büßen.

Mehr als eine halbe Millionen Rumänen leben in Italien, schätzt das Hilfswerk Caritas. In der Hauptstadt sind zwei von drei Festgenommenen rumänischer Herkunft, sagen Statisken. Rumäniens Regierungschef Clin Popescu-Triceanu fürchtet jetzt eine Stigmatisierung seiner Landsleute: 99 Prozent der Rumänen gingen gewissenhaft ihrer Abreit nach und würden von den Italienern geschätzt.

Die italienische Regierung erließ eilig ein Dekret, dass es erlaubt, kriminelle EU-Bürger binnen 24 Stunden auszuweisen. Dennoch versuchte Regierungschef Romano Prodi, die Wogen zu glätten: Die Mehrheit der in Italien lebenden Rumänen sei vernünftig und arbeite hart. Prodi rief sie auf, den Behörden zu helfen, die Kriminellen zu finden und zu bestrafen. Das Dekret gilt vorläufig. Um in Kraft zu bleiben, muss es vom Parlament bestätigt werden.

Die 47-jährige Frau war am Dienstagabend zusammengeschlagen, vermutlich vergewaltigt und von einer Brücke geworfen worden. Sie liegt im Koma, ihr Zustand ist kritisch.