Eilmeldung

Eilmeldung

Paolo Bettini im EuroNews-Interview

Sie lesen gerade:

Paolo Bettini im EuroNews-Interview

Schriftgrösse Aa Aa

Stuttgart, Ende September 2007. Der Italiener Paolo Bettini verteidigt erfolgreich seinen Titel bei den Straßenweltmeisterschaften der Radprofis.
Und das, obwohl die Organisatoren bis zuletzt versuchen seine Teinahme mit juristischen Mitteln zu verhindern, weil er sich weigert die vom Radsportverband UCI gefordert Ehrenerklärung zu unterschreiben. Der Sport als Politikum!

Euronews Reporter Francesco Gilioli traf sich in Monaco mit Bettini zum Interview.

Die kommende Saison soll eigentlich Ihre letzte sein. Könnten Sie sich vorstellen nach dem erneuten Gewinn der WM doch noch ein Jahr dranzuhängen?

Ohne Zweifel, die letzten beiden Jahre haben Lust auf mehr gemacht. Nie hätte ich gedacht, gleich zwei WM-Titel zu gewinnen.

Jetzt konzentriere ich mich aber erst einmal auf die Olympischen Spiele. Ende 2008 läuft mein Vertrag aus – erst dann werde ich eine endgültige Entscheidung treffen wie es mit mir und dem Radsport weitergeht.

Inwiefern werden Ihre Erlebnisse von Stuttgart Sie in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen?

Während der Tage in Stuttgart war ich voller Wut, Wut die mit half hat das Rennen zu gewinnen. Mit etwas Abstand werte ich das ganze als eine tolle Erfahrung ab, wenn man das im Nachhinein so sagen kann.

Die Tage in Stuttagrt haben mir aber auch gezeigt, dass es mit einer Karriere ganz schnell vorbei sein kann.

Glücklicherweise befinde ich mich in der Situation, von Leuten umgeben zu sein, die auf mich aufpassen, mich gut beraten und mir helfen auch in schwierigen Zeiten weiter an mich zu glauben.

Ich werde also ganz in Ruhe eine Entscheidung fällen, wenn es soweit ist.

Die Welt Anti Doping-Agentur und der Radsport Weltverband UCI planen den biologischen Pass für Radprofis. Wird der Pass den Kampf gegen das Doping gewinnen?

Das bezweifle ich! Die UCI und die Anti Doping Agentur sammeln doch schon seit Jahren biologische Daten von uns. Seit 1997 akzeptieren wir Radfahrer eine ganze Reihe von Kontrollen.
Das einzige was sich in der kommenden Saison ändern wird, ist die Tatsache, das UCI und Anti Doping Agentur nun auf eine gemeinsame Datenbank zurückgreifen werden.

Hier wollen die beiden Verbände in Zukunft enger zusammenarbeiten, was in der Vergangenheit nicht der Fall war.

Sie stehen dieser Sache also eher skeptisch gegenüber?

Ich wiederhole noch einmal, seit 1997 halten sie ein Maximum von Daten in den Händen. Im gleichen Jahr wurde ich Profi. Seit dieser Zeit werden regelmäßig Blut und Harnstoffe untersucht. Mehr biologische Daten sind nicht möglich.

Ein französischer Journalist stellt in seinem Buch die Hypothese auf Marco Pantani wurde ermordet! Was sagt Ihnen ihr Gefühl?

Erst einmal – ich kannte Pantani eher als Atlethen, nicht so gut den Menschen Pantani.

Ich glaube, dass diese ganze Geschichte, alles was mit ihm geschah nichts mit der Welt des Radsports zu tun hatte. Es gab tausend Gerüchte – man darf aber nicht vergessen, dass er in seiner Karriere niemals positiv getestet wurde. Bei über tausend Proben gab es nie Unstimmigkeiten.

Seine Probleme hatten andere Ursachen – Kokain zum Beispiel. Erdachte er könne damit seine Probleme lösen, stattdessen wurde er zu einer Art Flüchtling, der sich von allen missverstanden fühlte. Der Radsport geriet für Pantani immer mehr zur Nebensache.

Stellen Sie sich vor, dass der Zirkus einfach für fünf-sechs Jahre unterbrochen wird, um das Doping-Problem im Radsport zu beseitigen. Wäre das ein Lösungsansatz?

A:
Gleich ein paar Jahre? Ich denke ein paar Monate intensiver Arbeit sollten reichen. In den letzten Jahren wurde viel ausprobiert, ständig Regeln geändert. Das halte ich für falsch. Wir sollten lieber die Winterpause nutzen, wenn keine Rennen stattfinden um das Reglement gründlich zu überarbeiten. Ab und zu ein paar Regeln modifizieren hilft dem Radsport nicht weiter.

Betrogen wird trotzdem. Das liegt in der Natur des Menschen. Einige können sich beherrschen, anderen gelingt das nicht.

Und – egal was pasiert, zu 100 Prozent wird sich das Dopinproblem sowieso nicht beseitigen lassen.

Noch eilen Sie von Sieg zu Sieg – haben Sie im Feld ihrer Mitstreiter schon ein potentiellen Bettini-Nachfolger ausmachen können?

Ja, es gibt da einen Teamkollegen, der mich an den jungen Bettini erinnert, den Bettini am Anfang seiner Karriere. Allerdings mit dem kleinen Unterschied – er gewinnt schon Rennen, er hat schon bewiesen das er ein guter Fahrer ist.

Giovanni Visconti – der italienische Meister!

In seinem Alter, waren Sie da stärker oder schwächer als Visconti?

Erst ist jetzt 24 und schon italienischer Meister. Ich habe erst mit 26 meine ersten vorzeigbaren Ergebnisse aufweisen können.