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Belgische Familiengeschichten

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Belgische Familiengeschichten

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Diese Gemeinde liegt in der Nähe der belgischen Hauptstadt Brüssel. Aber auf dem Boden der Region Flandern. Weil aber mehr als die Hälfte der Einwohner französisch sprechen – was auch mit der Nähe des EU-Zentrums Brüssel zu tun hat – darf man hier ausnahmsweise zwei Sprachen benutzen. Das Niederländisch der Flamen und das Französisch der Wallonen.

Pierre Decroly verteidigt als Präsident des Francophonen-Vereins die Interessen seiner Sprachgruppe. Er vermutet hinter all den fämischen Aktionen die Absicht, die Francophonen, die hier in der Mehrheit sind, zur Minderheit zu machen.

Die Gemeinden, um die der Streit geht, sind wohlhabend. Viele Einwohner verdienen ihr Geld in Brüssel. Als man noch halbwegs friedlich zusammenlebte, hatten sich die Politiker auf eine Sonderregelung für das Umland der Hauptstadt geeinigt. Jeder Einwohner sollte sich in Verwaltungsangelegenheiten und auch bei Wahlen in seiner Muttersprache informieren und äußern können.

Pierre Decrolys Ehefrau beklagt die von einem Tag auf den anderen von der Region Flandern gestrichenen Zuschüsse für die francophone Bibliothek in der zweisprachigen Gemeinde.

Die Stimmung lässt sich oft auch an den Straßenschildern ablesen, häufig ist der französische Text beschmiert oder überklebt.
Läuft das nun alles auf eine Spaltung des Staates Belgien hinaus?

Der flämischer Politikwissenschaftler Stefan Fries von der Katholischen Universität Löwen spricht von einer “ ganz klaren Provokation, bei der die flämischen politischen Parteien zum ersten Mal ihre Mehrheit gegen die französisch sprechende Gemeinschaft eingesetzt haben.” An das Zerbrechen des Landes glaubt er nicht.

Geteilt worden ist das Land, das seinen Namen von der römischen Provinz Belgica herleitet, im Laufe der Geschichte schon oft genug.