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Lokführer-Streik in Deutschland legt Zugverkehr praktisch lahm

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Lokführer-Streik in Deutschland legt Zugverkehr praktisch lahm

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Nichts geht mehr auf deutschen Schienen – oder wenigstens fast nichts. Mit dem größten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL den Zugverkehr im Land ins Stocken gebracht. Rund fünf Millionen Passagiere sind betroffen, im Güterverkehr fielen mehr als 40 Prozent der Züge aus. Der Streik soll bis Samstag morgen dauern – und die Fronten bleiben verhärtet. Die Deutsche Bahn kündigte an, man werde keinesfalls auf die Forderungen der GDL eingehen. Aber auch die GDL denkt nicht daran, einzulenken. Sie verweist stolz darauf, dass mehr als 5000 Lokführer und Zugbegleiter die Arbeit niederlegten und droht mit einem unbefristeten Streik. Das angebliche Einkommen von Bahn-Personalvorstand Margret Sukale dient den Gewerkschaftern als Motivationshilfe.

Ein Streiktag im Güterverkehr kostet die Bahn rund 50 Millionen Euro. Das Unternehmen hat die GDL auf fünf Millionen Euro Schadenersatz verklagt – wegen des Warnstreiks am 10. Juli. Viele Passagiere haben inzwischen kein Verständnis mehr für die Vorgangsweise der GDL. “Ich finde, es ist eine ganz große Frechheit, dass eine kleine Gruppe von Lokführern eine ganze Republik in Atem hält”, meint etwa ein deutscher Reisender. Die Bahn verzeichnete deutlich weniger Passagiere als sonst. Viele wichen auf andere Verkehrsmittel aus. “Wir kamen mit dem Zug aus Prag, weil wir in Dresden arbeiten”, erzählt ein Spanier, “aber wir mussten mit dem Bus hierher nach Berlin fahren, und die Bahn ist doch weitaus bequemer.”

Die Gewerkschaft fordert einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal sowie bis zu 31 Prozent mehr Geld. Anfang der kommenden Woche will sie über das weitere Vorgehen entscheiden. GDL-Chef Manfred Schell sprach zuletzt allerdings nur mehr von Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich – also mindestens 10 Prozent mehr.