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Hashim Thaçi: ein Ex-Guerillakämpfer an der Spitze des Kosovo

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Hashim Thaçi: ein Ex-Guerillakämpfer an der Spitze des Kosovo

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“Gleich nach dem 10. Dezember werden unsere Institutionen die Unabhängigkeit des Kosovo erklären.” Das sagte Wahlsieger Hashim Thaçi ein paar Tage vor dem Urnengang. Die Unabhängigkeit seiner Heimatproviz: das ist in wenigen Worten das politische Programm, aber auch der Lebenstraum dieses Mannes, der vor knapp zehn Jahren die Bühne betrat.

Als er 1999 in Flüchtlingslager in Nordmezedonien besuchte, zeigte sich der damals 31-Jährige zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Im Gegesatz zu seinem damaligen Rivalen – dem späteren ersten Kosovo-Präsidenten Ibrahim Rugova – war Thaçi aber kein Mann des Dialogs. Aus dem schweizer Exil organisierte er für die entstehende militante UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës – auf Deutsch: Befreiungsarmee des Kosovo) den Waffenschmuggel, die Finanzierung und die Ausbildung. Das Geld dafür kam nach Meinung westlicher Geheimdienste aus kriminellen Aktivitäten: Prostitution, Drogenhandel; auch Morde wurden ihm vorgeworfen. 1998 kontrollierte die UÇK bereits ein gutes Drittel des Kosovo und erklärte diese Regionen zu “befreiten Gebieten”.

Thaçi tauschte damals endgültig die Uniform mit dem Anzug und zeigte sich als volksnaher Führer. Seine strikte Weigerung mit den serbischen Autoritäten zu sprechen, fand bei vielen Kosovaren Unterstützung. Die NATO hatte inzwischen die Kontrolle über die Provinz übernommen – und Thaçi unterzeichnete ein Abkommen über die Entwaffnung der UÇK. Denn seine Guerillabewegung war gegen die serbischen Truppen gerichtet. Und die waren nach dem Einmarsch der NATO-Truppen abgezogen. Unter seiner Leitung verhandelten die Kosovaren dann in Rambouillet mit den Serben. Die Unabhängigkeit, die damals nicht zustande kam, will Thaçi nun einseitig ausrufen.