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Die Interessenlag vor dem Treffen von Annapolis

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Die Interessenlag vor dem Treffen von Annapolis

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Annapolis am Atlantik. Das kleine Städtchen ist beliebter Ausflugsort für die Hauptstädter aus dem nahen Washington – politisch bedeutsam ist hier nur die Marine-Akademie, in der auch die Verhandlungen stattfinden werden.

Optimistisch klingt es aus Beraterkreisen, diesmal würden sich endlich zwei Regierungschefs treffen,
die einander ehrliche Absichten unterstellen.
Dem ebenso starken wie trickreichen Arafat haben die Israelis nie getraut.

Nachdem mehr als 40 Verhandlungspartner ihre Teilnahme zugesagt haben, wagt Yasser Abed Rabo, politische Berater des Palästinenserpräsidenten, eine Gratwanderung zwischen Hoffnung auf Erfolg und Realismus aus historischen Erfahrungen. Aus denen zieht er die Schlußfolgerung, entscheidend sei, was am Tag danach komme, was hinterher auch umgesetzt werde .

Arafat war stark genug für einen Friedensschluß – er wollte aber nicht. Sein Nachfolger Mahmud Abbas will – ist aber nicht stark genug. Eigentlich ist er nur noch ein Halb-Präsident, denn in Gaza herrscht die Hamas, die auf keinen Fall Frieden will.

Und Verhandlungspartner Ehud Olmert?
Dessen Stuhl wackelt doch ohnehin schon.
Er hat diverse Ermittlungsverfahren am Hals und mit der Schas-Partei und der Partei Israel Beitenu
zwei Koalitionspartner im Kabinett, die ihn sofort auffliegen lassen, wenn er zuweit geht.

Olmert steht vor der schlichten Frage, was er retten will: Zuerst den Frieden oder lieber doch zuerst sein Amt????

Man kann Olmert nicht vorwerfen, dass er keine Vorleistungen erbracht hätte: Siedlungsstopp, illegale Außenposten im Westjordanland geräumt, 440 palästinensische Häftlinge heimgeschickt.

Auch den Syrern hat er den Weg nach Annapolis geebnet mit der Aussicht, über die von Israel besetzten syrischen Golanhöhen zu reden.
Verlockend für Präsident Assad, der dadurch seine Position gegenüber Hisbollah und radikalen Palästinensern im eigenen Land verbessern könnte.

Den Amerikanern das alles gerade jetzt so wichtig, weil sie in der Region inzwischen noch mehr Probleme haben – siehe Iran und Irak.