Eilmeldung

Eilmeldung

UN-Sonderrepräsentant im Kosovo Joachim Rücker succht einen neuen Job...

Sie lesen gerade:

UN-Sonderrepräsentant im Kosovo Joachim Rücker succht einen neuen Job...

Schriftgrösse Aa Aa

Wird Joachim Rücker der letzte UN-Sonderrepräsentant im Kosovo sein? Die fast achtjährigen Verhandlungen über den künftigen Status der Provinz gehen am 10. Dezember zu Ende.

Wie wird es weiter gehen? Was wird noch zu tun bleiben? Welche Bilanz wird die UN-Mission im Kosovo unter Joachim Rücker ziehen? Für den 56jährigen früheren Bürgermeister des süddeutschen Sindelfingen ist seine Aufgabe im kommenden Jahr auf jeden Fall beendet.

EuroNews: Schon als Sie die UN-Mission im Kosovo übernommen hatten, wurde Kritik laut. Es gab wirtschaftliche Probleme, ungeklärte Sicherheitsfragen, schließlich zog sich das Tauziehen um den Status des Kosovo hin. Diese Kritik ist seither nicht verstummt. Inwieweit sind Sie für die kritisierten Zustände verantwortlich, was sagen Sie der Bevölkerung im Kosovo?

Rücker: Natürlich sind die Menschen im Kosovo erschöpft und frustriert, weil sich der ganze Prozess hin zu einem klaren Status der Provinz so in die Länge zieht. Was den Erfolg oder Mißerfolg der UN-Mission im Kosovo angeht, so sage ich: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.

Wie Sie wissen haben wir während der vergangenen acht Jahre zusammen mit unserern Partnern im Kosovo die Grundlagen für eine funktionierende Demokratie gelegt. Stichwort Wahlen, Stichwort Rechtssystem, Stichwort Marktwirtschaft. Und das ist doch nicht wenig.

EuroNews: Was die Wahlen angeht, stimmen Ihnen die Serben nicht zu…

Rücker: Die Serben im Kosovo standen unter einem erheblichen Druck von Belgrad und einiger ihrer Anführer, sich nicht zu beteiligen. Und das ist ein Grund zur Unruhe. Aber es gab eine höhere Wahlbeteiligung unter den Serben als 2004.

EuroNews: Es gab auch Korruptionsvorwürfe gegen UN-Mitarbeiter. Ihr Stellvertreter sagt, gegen ihn werde ermittelt, Medien im Kosovo sagen, gegen Sie werde ermittelt…

Rücker: Also, wir haben ein internes Prüfbüro in New York, Sie sollten besser das fragen. Die ermitteln immer gegen irgendjemanden, weltweit.

EuroNews: Sie wissen nichts?

Rücker: Nein.

EuroNews: Sie wissen von keiner Ermittlung?

Rücker: Die sagen mir nichts, fragen Sie sie.

EuroNews: Aber Ihr Stellvertreter weiß es…

Rücker: Er weiß auch nichts Genaues…

EuroNews: Das glauben Sie…

Rücker: Ich schlage vor, Sie fragen New York.

EuroNews: Wie sehen Sie denn die Zukunft der UN-Mission im Kosovo? Einige sagen, es gebe keine Pläne, auch fürs nächste Jahr nicht, stimmt das?

Rücker: Natürlich hängt die Zukunft vom künftigen Status des Kosovo ab und den Verhandlungen darüber. Der Prozess der Troika geht noch bis zum 10. Dezember. Ich hoffe, dass wir danach sehr schnell zu einer Lösung kommen. Wahrscheinlich wird es eine Übergangslösung geben. Also, ich rechne damit hier spätestens im nächsten Sommer weg zu sein.

EuroNews: Was kann die EU Ihrer Meinung nach tun, was sie noch nicht getan hat im Kosovo?

Rücker: Meiner Meinung nach dürften künftige Missionen zur Aufgabe haben, die Umsetzung der Vereinbarung zu überwachen. Und das ist ein Unterschied zur aktuellen UN-Misison. Die UNO ist im Augenblick noch praktisch für alles verantwortlich im Kosovo, das wird in einer neuen Mission nicht mehr so sein.

EuroNews: Es gibt Berichte über eine Teilung der Provinz – wer wird dann die serbischen Enklaven beschützen?

Rücker: Ich würde gerne wissen, wie Sie darauf kommen, dass es eine Teilung gibt…

EuroNews: Nicht GIBT, aber dass darüber geredet wird.

Rücker: Ich möchte unterstreichen, dass eine Teilung etwas ist, was die Kontaktgruppe aus guten Gründen von Beginn an ausgeschlossen hat. Wir glauben, dass es eine sehr, sehr schlechte Idee wäre, über eine Teilung nachzudenken. Was die so genannten serbischen Enklaven, die serbischen Dörfer und Ortschaften entlang des Ibar-Flusses angehen, so werden diese genauso sicher sein wie alle anderen Orte im Kosovo.

EuroNews: Die Serben haben aber Angst…

Rücker: Es gibt diese Sorgen…, aber es gibt einen Plan, der jedoch vom Sicherheitsrat nicht angenommen wurde, den Athissari-Plan. Dieser Plan nimmt genau die serbischen Sorgen sehr detailliert auf. Natürlich müssen alle Sorgen angehört werden, auch die der serbischen Kosovaren.

EuroNews: Was an der Kosovo-Mission schätzen Sie am meisten, was bedauern Sie?

Rücker: Am meisten schätze ich … die Art, wie die Menschen im Kosovo an ihre Zukunft glauben – trotz vieler Enttäuschungen und Rückschläge.
Davon könne wir alle lernen. Das grundsätzliche Vertrauen in ihre Zukunft ist bewundernswert. Und das werde ich vermissen. Ich werde NICHT den Müll vermissen, der hier überall auf den Straßen liegt.
Aber ich denke, auch das wird eines Tages besser werden.

EuroNews: Was machen Sie als nächstes?

Rücker: Ich weiß nicht – haben Sie einen Job?

EuroNews: Ich glaube nicht…

Rücker: OK…