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Interview mit EU-Umweltkomissar Stavros Dimas

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Interview mit EU-Umweltkomissar Stavros Dimas

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Stavros Dimas ist in der EU-Kommission für Umweltfragen zuständig. Der Grieche, der so große Hoffnungen in erneuerbare Energien setzt, leitet die EU-Delegation zur Weltklimakonferenz auf Bali. Die hat mit dem Erfolg begonnen, dass Australien am Eröffnungstag das Kyoto-Protokoll ratifizierte. Damit sind aber noch längst nicht alle Probleme aus der Welt.

EuroNews
Herr EU-Kommissar, welchen Anteil wird am Ende die EU an der Schaffung einer – nennen wir es – “ Koalition der Willigen” zur Vermeidung eines Klimawandels haben?

Stavros Dimas
Wir brauchen einen Konsens, um mit den Arbeiten an einem internationalen Abkommen für die Zeit nach 2012 voranzukommen. Der muss effektiv sein in Sachen Emmissionsreduzierung und darf eine globale Erwärmung von mehr als jenen 2 Grad Celsius nicht erlauben, die uns die Wissenschaftler als vertretbare Höchstgrenze nennen.

EuroNews
Ja – aber das ist eine Idee der EU, womit sie womöglich allein bleibt…..

Stavros Dimas
Auf Bali können wir uns erst einmal auf den Beginn von Verhandlungen einigen, einigen auf den Verhandlungsprozeß und gewisse Elemente, die ein künftiges Abkommen enthalten sollte. Ende 2009 sollten wir ein Abkommen etabliert haben mit dem Ziel, den Klinmawandel auf effektive Weise zu bekämpfen.

EuroNews
Wäre es nicht sinnvoller, die Dinge in politischen Gesprächen weiter zu verfolgen als den Kyoto-Prozeß für tot zu erklären?

Stavros Dimas
Wir sehen gerade jetzt in den USA, im Kongreß aber auch in einigen Bundesstaaten, wie man Steuer- und Handelssysteme einführt, die genau in die Richtung von Kyoto führen. Nämlich Kyoto ist der in bezug auf die Kosten effektivste Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Wenn wir Kyoto vielleicht unter anderem Namen aber mit den gleichen Basisstrukturen nehmen, dann bleibt Kyoto erhalten. Und es geht darum, wie wir besonders die Entwicklungsländer an Bord holen. Dies ist eine Aufgabe, die wir nicht nur auf Bali zu lösen haben sondern in den kommenden Monaten und Jahren.

EuroNews
Im vorigen Winter gab es eine Art Mißverständnis mit ihrem Kollegen, dem Kommissar Verheugen, in Sachen Autoabgase.
Glauben sie nicht, dass die EU-Kommission damit eine widersprüchliche Botschaft verbreitet hat?

Stavros Dimas
Nein, nein. Ich denke, dass Vizepräsident Verheugen und ich uns einig sind mit allen 25 Kommissaren in der Frage Klimawandel und Autostrategie. Es geht um die Reduzierung von Autoabgasen durch Motortechnologie bis auf 130 Gramm pro Kilometer. Und um zusätzliche 10 Gramm durch weitere Maßnahmen wie zum Beispiel Air-Condition im Auto oder Nutzung von Bio-Diesel , so dass wir 120 Gramm pro Kilometer erreichen.

EuroNews
Denken sie wirklich, dass erneuerbare Energiequellen mit Atomkraft entwickelt werden können?

Stavros Dimos
Erneuerbare Energien – daran glaube nicht nur ich. Ich bin sicher, dass sie entwicklet werden und eine große Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen werden und dass auch unsere Industrien in der EU davon geleitet werden. Kernkraft ist für die EU-Kommission etwas… wie soll ich sagen… Ich würde sagen, wir sind neutral, wir beziehen nicht Stellung für eine Seite, weil eine Reihe von Staaten stark auf Kernkraft setzt, Frankreich zum Beispiel, wo 80 Prozent der Stromerzeugung über Atomkraftwerke geschieht. Einige Länder wie Finnland und andere haben Atomkraftwerke eingeführt und wieder andere haben den Ausstieg beschlossen.

EuroNews
Es gibt da eine gewisse Polemik um zwei spezielle Sorten von genverändertem Mais. die eine ist Bt 1 , die andere 1507. Nicht alle Komissare beziehen die gleiche Position dazu, welches ist die Ihre? Die Kommission scheint in dieser Frage gespalten, können sie das näher erklären?

Stavros Dimas
Wir haben in der Barroso-Kommission die Tradition, Entscheidungen per Konsenz zu treffen. Daher bin ich sicher, dass wir die richtige Antwort finden werden. Wir müssen in dieser Frage die richtige Entscheidung treffen. Wir kennen die noch nicht die Langzeitwirkungen des Anbaus dieser beiden Maisarten.

EuroNews
Aber offensichtlich hat die Agentur für Nahrungsmittelsicherheit nicht eine Auffassung gegen die beiden Maissorten vertreten.
Ist das wahr?

Stavros Dimas
Mit Blick auf Gesundheit haben sie recht. Mit Blick auf Langzeitwirkungen haben wir andere Studien , die auf mögliche Probleme hinweisen. Darum müssen wir sehr vorsichtig sein, denn, wenn man erst einmal eine Verseuchung durch genverändertes Saatgut hat, dann ist es sehr schwer, wieder zum vorherigen Zustand zurückzufinden. Es gibt unterschiedliche Auffassungen und das schafft gewisse Probleme, weil in gewissen Ländern eine starke öffentliche Meinung gegen genveränderte Lebensmittel besteht. Wir müssen darauf hören, was uns die Wissenschaftler sagen und alle unsere Entscheidungen müssen wissenschaftlich fundiert sein.