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Schwere Unruhen nach Präsidentenwahl in Kenia

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Schwere Unruhen nach Präsidentenwahl in Kenia

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In Kenia weitet sich der Machtkampf zwischen Gewinner und Verlierer der Präsidentenwahl aus. Gestern wurde Amtsinhaber Mwai Kibaki mit knappem Vorsprung zum Sieger erklärt und ließ sich sofort für eine zweite Amtszeit vereidigen. Seitdem tobt in den Straßen die Gewalt, vor allem in den Elendsvierteln der Hauptstadt Nairobi und im Westen des Landes um Kisumu, wo der unterlegene Raila Odinga viele Anhänger hat.

Etliche Menschen sind in den Auseinandersetzungen seit gestern getötet worden. Die Zahlen gehen weit auseinander; ein kenianischer Fernsehsender spricht
sogar von mehr als 120 Toten.

Wahlverlierer Odinga hat seine Anhänger jetzt für Donnerstag zu einer Massenkundgebung aufgerufen – in Nairobis Uhuru- oder Freiheitspark. Eine für heute geplante derartige Kundgebung war von der Polizei verboten worden. “Demokratie kostet eben,” sagt Odinga nun. “Aber wir werden auch den höchsten Preis zahlen, um dieses Land von einer Bande Gewaltherrscher zu befreien, denen die Rechte der Menschen hier völlig egal sind.”

Auch in seiner Hochburg Kisumu verliefen die Unruhen für viele tödlich. Augenzeugen berichten von fast fünfzig Toten in einer Leichenhalle, offenbar alle erschossen. Über die Stadt wurde inzwischen eine Ausgangssperre verhängt.

Wahlverlierer Odinga, der zur Volksgruppe der Luo gehört, hatte seit Monaten in fast allen Umfragen geführt. Er sieht sich selbst als Sieger und wirft Kibaki nun Wahlfälschung vor; Kibaki gehört zu den Kikuyu, Kenias größter Volksgruppe.

Auch die Wahlbeobachter der Europäischen Union haben an dem Ergebnis ihre Zweifel. Nach ihren Angaben verlief die Stimmabgabe selber allerdings weitgehend fair; die Probleme habe es erst später gegeben, beim Zusammenrechnen der Ergebnisse in den Kreisstädten und in der Wahlkommission selber.

In der unübersichtlichen Lage sind auch westliche Urlauber gefangen. Das deutsche und das österreichische Außenministerium raten von Reisen nach Kenia ab. Wer schon dort ist, solle Menschenansammlungen meiden, seinen Ort nicht verlassen und die Entwicklung abwarten.