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Kenias Konflikt - soziale Ungleichgewichte und uralte Stammesfehden

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Kenias Konflikt - soziale Ungleichgewichte und uralte Stammesfehden

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Er ist ein Kikuyu, Angehöriger der größten Volksgruppe des Landes. Mwai Kibaki, seit 2002 Präsident von Kenia. Ein alter politischer Kämpe, dessen Erfahrung auf die 60er Jahre zurückgeht.

Der, der ihm vorwirft, die Wahlen gefälscht zu haben, ist ein Luo – das ist die zweitgrößte Volksgruppe. Neun Jahre lang war Raila Odinga im Gefängnis, viele sehen in ihm die Verkörperung der Opposition im einstigen Musterland Afrikas.

Der Konflikt ist also in höchstem Maße politisch und persönlich und erhält eine explosive ethnische Dimension. Mehr als 40 Prozent der Kenianer gaben in Umfragen an, dass die Zugehörigkeit eines Kandidaten zu einer bestimmten Volksgruppe ihr Abstimmungsverhalten bestimmt. In diesem Kontext uralter Stammes-Rivalitäten müssen die Gewaltausbrüche der vergangenen Tage gesehen werden.

Insgesamt leben in Kenia etwa 40 verschiedene Volksgruppe, keine ist wirklich dominierend. Die Luo, vor allem am Victoris-See zu Hause, kommen wie die Luyia auf 13 Prozent. Der stärkste Stamm, die Kikuyu, bringt es gerade mal auf 22 Prozent.

Doch helfen ethnische Erklärungen allein nicht weiter. Wie fast in jedem Konflikt gibt es auch in Kenia massive wirtschaftliche Unterschiede, die für sozialen Konfliktstoff sorgen. Elend, Armut und Perspektivlosigkeit bilden den Nährboden für die massive Gewalt.

Doch gelang es dem Land unter Präsident Kibaki, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Die Wirtschaft boomt, vor allem der Tourismus. Seit 2003 sind Schulbesuche kostenlos, 1,5 Millionen Kinder können deswegen eine Ausbildung bekommen. Dennoch lebt die Hälfte der Bevölkerung immer noch in Armut. Die wohlhabendsten zehn Prozent teilen sich mehr als 40 Prozent des Reichtums Kenias.

Was bleibt sind soziale Ungerechtigkeiten und Korruption. Präsident Kibaki hat hier sein Versprechen, gegen diese Übel vorzugehen, noch nicht gehalten. In den vergangenen Jahren war er dafür von der internationalen Gemeinschaft mehrfach kritisiert worden. Kenia, so scheint es, braucht dringend einen Neuanfang.