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Großbritannien setzt auf Atomkraftwerke

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Großbritannien setzt auf Atomkraftwerke

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Hinter diesem Stacheldraht liegt Sellafield. Die Aufbereitungsanlage für Kernbrennstäbe, aus der schon radioaktive Stoffe in die Irische See gerieten und nach einem Brand radioaktive Gase mehrere hundert Quadratkilometer verseuchten. Trotzdem herrscht in Großbritannien keine übermäßige Atom-Angst. Hier gilt Atomkraft als “billig” und “sauber” – und somit als probates Mittel, Klimaschutzziele zu erreichen.

Um alternative Energien hat man sich schließlich auf der Insel bisher nicht besonders bemüht. Zum Vergleich: Deutschland hat 300 Mal soviele Solar- und 10 mal soviele Windkraftanlagen wie das Vereinigte Königreich. Dafür kommen hier 18 Prozent des Stroms aus Atomkraftwerken.

16 Prozent sind es weltweit und 34 Prozent europa-weit. 15 der 27 EU-Staaten betreiben Atomkraftwerke. Am meisten Frankreich, das damit 73 Prozent seines Stroms erzeugt. In Deutschland sind es noch 28 Prozent. Weltweit sind derzeit 30 neue Kernkraftwerke in Bau. Die größte Anlage entsteht in Finnland. Hier sollen ab 2011 drei Reaktoren 1.600 Megawatt liefern. An diesem Vorbild orientieren sich die britischen Pläne.

Proteste gegen Atomkraftwerke gibt es eigentlich nur noch in Deutschland, das dafür 13 Prozent seines Stromverbrauchs aus alternativen Energieformen deckt. In Großbritannien kämpft man noch um die 5-Prozent-Marke. John Sauven von Greenpeace Großbritannien rechnet vor: Zehn Gaskraftwerke durch zehn Atomkraftwerke zu ersetzen bringe eine Verringerung des Schadstoffausstoßes um vier Prozent. Er nennt das ein sehr kleines Ergebnis bei enormen Kosten und Konsequenzen für künftige Generationen, die zusehen müssen, wie sie mit all dem atomaren Abfall fertig werden. Der strahlt schließlich noch Jahrtausende.