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Neue Proteste gegen Müllskandal in Neapel

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Neue Proteste gegen Müllskandal in Neapel

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Erneut gehen Tausende von Menschen im italienischen Neapel auf die Straße: Dort liegt der Müll, der ihnen inzwischen kräftig stinkt. Seit Wochen werden ihre Abfälle nicht mehr abgeholt, die Müllsäcke stapeln sich in den Straßen. Basta, es reicht, rufen die Leute; es reicht ihnen mit der Mafia, die hier Camorra heißt und das Geschäft mit dem Müll fest in der Hand hat; und es reicht ihnen mit der Regierung, die das Problem nicht lösen kann.

Erst einmal hat sie nun erneut einen Müllbeauftragten eingesetzt; zum Willkommen laden die Demonstranten ihren Abfall vor der zuständigen Behörde ab, wo er sein Büro beziehen wird. Schriftsteller Roberto Saviano steht unter Polizeischutz, seit seinem Bestseller über die Camorra. Zum Müllskandal in seiner Heimat sagt er: “Die Leute hier in Neapel haben kein Vertrauen in den Staat. Sie haben Angst, dass auf einer neuen
Müllhalde nicht das landet, was der Staat sagt, sondern was die Camorra will.”

Denn alle Müllhalden sind voll; dass die lange schon geschlossene Deponie Pianura wiedereröffnet wird, verhindern die Anwohner, die sich noch an die Gesundheitsgefahren von damals erinnern.

Dafür fangen sie jetzt an, den Müll wenigstens schon einmal zusammenzukehren. Ein Einwohner sagt: “Wir wollen zeigen, dass wir Bürgersinn haben; wir sind nicht die Camorra.”

Die Armee soll ihnen nun helfen; das löst aber das Problem nicht. Die Regierung verspricht außerdem Müllverbrennungsanlagen, aber das kann dauern. Eine Anlage, die letztes Jahr fertig sein sollte, wird nun wohl erst 2009 den Betrieb aufnehmen.