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Diplomatischer Streit zwischen London und Moskau verschärft

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Diplomatischer Streit zwischen London und Moskau verschärft

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Der diplomatische Streit zwischen Russland und Großbritannien hat sich weiter verschärft: Die Niederlassung des British Council in St.Petersburg musste vorläufig schließen; mehrere Mitarbeiter der Kultureinrichtung wurden nach britischen Angaben festgenommen und drangsaliert.
Nach Polizeiangaben sei der Leiter der Filiale wegen eines Verkehrsdelikts kontrolliert worden und habe nach Alkohol gerochen, meldete die russische Agentur Interfax; deshalb sei er vorüberhend festgenommen worden.
Der britische Außenminister David Miliband
erklärte in London, jegliche Einschüchterung oder Drangsalierung von Funktionsträgern sei selbstverständlich völlig unannehmbar; die Leidtragenden dieser Affäre seien die russischen Nutzer der Einrichtung – und die russische Regierung selbst, die ihrem Ruf Schaden zufüge. Miliband warf Moskau vor, die Kultureinrichtung zur “Geisel” eines diplomatischen Streits zu machen. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow warf den Briten Kolonialdenken vor:
Dass eine gewisse Sehnsucht nach der Kolonialzeit zuweilen die juristischen Aspekte einer Angelegenheit in den Hintergrund dränge, könne er zwar verstehen, sagte Lawrow, aber gegenüber Russland könne man auf keinen Fall solch eine Sprache sprechen.
Moskau beschuldigt London, die Büros des British Council widerrechtlich und ohne Steuerzahlungen zu betreiben. London dagegen betont, die Arbeit der Einrichtung stehe in voller Übereinstimmung mit einem Regierungsabkommen von 1994 sowie mit internationalem Recht.
Hintergrund des Streits ist die Ermordung des früheren Geheimagenten Alexander Litwinenko in London im November 2006. Großbritannien
fordert die Auslieferung des Mordverdächtigen Andrej Lugowoi. Russland wiederum verlangt die Überstellung des im Londoner Exil lebenden Kremlkritikers Boris Beresowski.