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Putin: Schachzug gegen mehr Energie-Autonomie Europas

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Putin: Schachzug gegen mehr Energie-Autonomie Europas

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Russlands Präsident Putin fährt gewichtige Energieverträge in die Scheuer. Im Austausch hofft Bulgarien, seine strategische Position auf dem Balkan zu stärken und mehr Einfluss auf den europäischen Energiemärkten zu bekommen.

Eine Einigung in letzter Minute machte die Unterzeichnung eines Vertrages über 1,4 Milliarden Euro Volumen möglich. Das Thema – die Beteiligung Bulgariens an einer Gaspipeline zwischen Russland und Südosteuropa.

Der Name des Projektes: South Stream. Die Protagionisten sind der italienische Konzern ENI und Russlands Energieriese GAZPROM. Investitionsvolumen insgesamt: 10 Milliarden Euro.

South Stream stellt ein anderes Projekt in Frage: NABUCCO, das Gaspipeline-Projekt der EU. Seine Trasse sollte durch die Türkei verlaufen und Russland umgehen. Das Ziel: Gas aus dem Gebiet des kaspischen Meeres aufzunehmen, das heißt aus Zentralasien.

Mit Nabucco wollte die EU die Abhängigkeit der Europäer von Energie aus Russland verringern. Heute liefert Russland ein Viertel des EU-Gasbedarfs. Nabuccos Konkurrent South-Stream könnte den europäischen Abnehmern jährlich bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Gas liefern.

Damit nicht genug: Bulgarien hat noch einen weiteren schwergewichtigen Vertrag unterschrieben: Für vier Milliarden Euro baut die russische Gruppe Atomstroyexport ein Atomkraftwerk in Belene an der Donau in Norden des Landes. Das ist das erste Atomkraft-Projekt Russlands in einem Land der EU. Das neue Kraftwerk soll 2013 ans Netz gehen und dann 60 Jahre lang Strom liefern.

Es versetzt Bulgarien zurück in eine lange Jahre gewohnte Rolle – als großer Energie-Exporteur der Region. Sie war Ende 2006 verlorengegangen, als das Atomkraftwerk Koslodouy auf Betreiben der EU aus Sicherheitsgründen teilweise stillgelegt wurde. Das war eine Voraussetzung für den Beitritt Bulgariens am 1. Januar 2007.

Die Verträge von heute stoßen auf Kritik bei der bulgarischen Opposition. Die Konservativen werfen der Regierung vor, gegenüber der EU für Russland die Rolle eines trojanischen Pferdes zu spielen – und unverhohlene Machtpolitik auf dem Balkan.