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Frankreich muß eine öffentliche Rüge des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte einstecken. Gerüffelt wird Paris wegen sexueller Diskriminierung. Einer lesbischen Lehrerin und íhrer langjährigen Partnerin war die Adoption eines Kindes verweigert worden. Die Begründung: Sie könnten wichtige Orientierungspunkte für die Erziehung nicht bieten.

Der supranationale Gerichtshof stellte nun fest: “Das Gericht erkärt erstens den Antrag für zulässig – ohne Gegenstimme,” so Präsident Christos Rozakis. “Zweitens stellt es mit 10 gegen 7 Stimmen fest, dass eine Verletzung des Artikels 14 der Konvention vorliegt, in Kombination mit Artikel 8. Drittens: Mit 11 gegen 6 Stimmen wird festgelegt, dass der betreffende Staat innerhalb von drei Monaten 10 000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen hat und zwar zum Ausgleich eines immateriellen Schadens.”

Der Artikel 14 verbietet Diskriminierung und Artikel 8 garantiert das Recht auf Respekt gegenüber Privat- und Familienleben. Der Spruch ist eindeutig und vermutlich folgenschwer für alle Betroffenen.

Denn von nun an können Frankreich und alle anderen Mitgliedsländer des Europarates niemandem mehr mit der Begründung “Homosexualität” ihre Zustimmung in einem ähnlichen Fall verweigern.

Bisher lassen nur neun Länder in Europa Adoptiv-Väter- oder Mütterpaare ausdrücklich zu:

Deutschland, Belgien, Dänemark, Spanien, Island, Norwegen, die Niederlande, Großbritannien und Schweden.

Homosexuelle Paare haben dort die gleichen Rechte gegenüber ihren Kindern wie heterosexuelle – beide Mütter oder Väter sind rechtsgültig Eltern.

In Frankreich gibt es keine gleichgeschlechtlichen Ehen. Alleinstehende Adoptivväter oder -mütter werden andererseits zugelassen – seien sie nun homosexuell oder nicht.

Wenn also von nun an eine Adóption nicht mehr abgelehnt werden kann, bleibt immer noch das Problem der Anerkennung des zweiten Elternteils – die aktuelle Rechtslage sieht ein Eltern-Kind-Verhältnis für ihn oder sie nicht vor.

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