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Historischer griechischer Besuch in der Türkei

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Historischer griechischer Besuch in der Türkei

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Zum ersten Mal seit fast fünfzig Jahren ist ein griechischer Regierungschef wieder zu einem offiziellen Besuch in der Türkei. Kostas Karamanlis wurde dort von seinem Kollegen Recep Tayyip Erdogan empfangen; ein Gegenbesuch für dessen Visite vor vier Jahren.

Beide Länder sind an sich Verbündete in der NATO, sind aber auch aus mehreren Gründen zerstritten, vor allem wegen der geteilten Insel Zypern. 1974 putschten dort die Griechen; daraufhin besetzten türkische Truppen die halbe Insel.

Die so genannte Republik Nordzypern wird aber nur von der Türkei selbst anerkannt, von niemandem sonst. Ein UNO-Plan zur Wiedervereinigung scheiterte vor einigen Jahren an den griechischen Zyprern in den südlichen Hälfte. Trotzdem wurde Zypern kurz darauf Mitglied der Europäischen Union; faktisch trifft das allerdings nur auf den Süden zu.

Neben dem Zypernstreit geht es zwischen beiden Ländern vor allem um den Verlauf ihrer Grenze im Mittelmeer. Seit einem Ölfund in den Siebzigern beansprucht Griechenland für jede seiner zahlreichen Inseln einen eigenen Landsockel und eigene Hoheitsgewässer. Viele dieser Inseln liegen aber dicht vor der türkischen Küste.

Vor zwölf Jahren wäre es sogar fast zum Krieg gekommen, wegen eines unbewohnten Felsens: Imia für die Griechen, Kardak auf Türkisch. Nur durch Vermittlung der USA wurde die Krise abgewendet. Trotzdem gibt es in der Ägäis laufend Zwischenfälle mit Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen beider Seiten.

Allerdings haben sich die Beziehungen seit damals auch deutlich verbessert, vor allem in der Wirtschaft; erst im November wurde eine Erdgasleitung eingeweiht. Legendär ist ebenfalls die gegenseitige Hilfsbereitschaft nach dem schweren Erdbeben von 1999. Und auch beide Regierungschefs verstehen sich gut: Karamanlis war sogar Trauzeuge für Erdogans Tochter.