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Rom: Ist der nächste Regierungschef wieder Prodi?

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Rom: Ist der nächste Regierungschef wieder Prodi?

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Es ist ziemlich genau 20 Monate her, dass Romano Prodi, “Il Professore”, wie der frühere Ministerpräsident und frühere Präsident der EU-Kommission bezeichnet wird, ein zweites Mal zum Regieren antrat. Sein aus insgesamt 13 Parteien gebildetes Wahlbündnis hatte nur EIN Ziel gehabt: Silvio Berlusconi und seine Mitte-Rechts-Regierung aus dem Sattel zu heben.

Hürden und Fallen zeigten sich bereits damals: Im Abgeordnetenhaus verfügte er nur über 30 Stimmen mehr als die Opposition und im Senat war die Mehrheit hauchdünn. Gegen Berlusconi zu sein, war kein gutes Bindemittel für eine Front, die von gemäßigten Katholiken bis zu Postkommunisten reicht. Es genügte vor allem nicht, um Reformen durchzusetzen.

Rasch installierten sich die bestens bekannten italienischen Verhältnisse. Eine der Ursachen dafür ist Experten zufolge das Wahlsystem, obwohl dieses zu Beginn der neunziger Jahre verändert worden war. “Italien braucht eine Wahlrechtsreform”, meint auch dieser Analyst. “Denn das gegenwärtige Sytem garantiert nicht, dass das Land regiert werden kann. Denn selbst wenn es in der Abgeordnetenkammer eine Mehrheit gibt, ist die notwendige Mehrheit im Senat derart strukturiert, dass dort starke Regierungskoalitionen unmöglich sind.”

Wohin das führt, wurde schon im vergangenen Winter deutlich: es war im Februar als Prodi wegen des italienischen Engagements in Afghanistan und wegen des Plans stürzte, einen amerikanischen Stützpunkt in Norditalien ausbauen zu lassen. Die Linke war dagegen. “Il Professore” trat von seinem Amt zurück. Eine nächste Regierungsrunde begann, doch keineswegs unter besseren Vorzeichen. Im vergangenen Herbst entstand – wie es Prodi erträumt hatte – die Demokratische Partei, die größte politische Formation des regierenden Mitte-Links-Bündnisses.

An der Spitze – Walter Veltroni, der Bürgermeister Roms. “Il Professore” ist es gelungen, dem Land seine internationale Glaubwürdigkeit wiederzugeben, die es unter Berlusconi verloren hatte. Auch hat der Wirtschaftsfachmann das Haushaltsdefizit um die Hälfte reduziert. Das allein wäre schon eine gute Bilanz. Prodi modernisiert und liberalisiert – und er kämpft, auch jetzt, was ihm viele nicht zugetraut haben.