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Betrug oder Verantwortungslosigkeit? Frankreichs Großbank Société Générale in der Krise.

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Betrug oder Verantwortungslosigkeit? Frankreichs Großbank Société Générale in der Krise.

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Ein einzelner, kleiner Händler hat offenbar die französische Großbank Société Générale in eine Krise gestürzt. Die Bank erlitt durch ihn einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro. Der 31 Jahre alte Jèrôme Kerviel arbeitete seit 8 Jahren bei der Bank. Er soll verlustreiche Geschäfte an den Kontrolleuren vorbei, verschleiert haben. Er ist aber nicht abgetaucht, sagte seine Anwältin Elisabeth Meyer.

“ Mein Mandant ist nicht auf der Flucht, sondern steht den Behörden zur Verfügung. Von seinem Job ist er am Sonntag, dem 20. Januar entbunden worden.”
Zweifel an der Einzeltätertheorie werden immer lauter. So vom Ökonomen Marc Touati. Er sagte:
“ Vielleicht war es menschliches Versagen, aber ich kann nicht glauben, daß eine so große Bank wie die Société Générale, soetwas über viele Monate hat durchgehen lassen. Fünf Milliarden Euro Verlust durch internen Betrug, an allen Kontrolleuren und Risikomanagementsystemen vorbei? Das ist genauso schwerwiegend.”

Die Société Générale hat ihre Aktionäre um 5,5 Milliarden Euro frisches Kapital gebeten. Bankvorstand Daniel Bouton sagten dann noch: “ Erstens möchten wir uns entschuldigen, daß soetwas passieren konnte. Zweitens ist dieser betrügerische Verlust ein außergewöhnlicher Einzelfall.”

Der Skandalbroker Nick Leeson war dagegen ein kleiner Fisch. Er hatte 1995 die britische Baringsbank um gut eine Milliarde Euro erleichtert und in den Ruin getrieben. Davon kann bei der Société Générale keine Rede sein, denn ihre Kapitaldecke ist groß genug.