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Milliarden-Betrug bei Societe Generale: Frankreich zwischen Schadensbegrenzung und tiefen Zweifeln

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Milliarden-Betrug bei Societe Generale: Frankreich zwischen Schadensbegrenzung und tiefen Zweifeln

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Nach dem Milliardenbetrug bei der Societe Generale bemühen sich Regierung und Konzernführung darum, einen Imageschaden zu vermeiden. Staatspräsident Nicholas Sarkozy erklärte in Indien, das französische Finanzsystem bleibe verläßlich. Societe-General-Angestellte an der Pariser Hauptverwaltung spielten den Skandal herunter.

Die Öffentlichkeit übt indes massiv Kritik am Krisenmanagement der Bank. Auch wird in Zweifel gezogen, dass der 31jährige Aktienhändler Jerome Kerviel im Alleingang agierte. Es sei so, als würde ein Schlosser eine Karriere als Einbrecher starten, meint Andre Tiran von der Universität Lyon. Mit einer solch guten Ausbildung seien Einbrüche einfach.

Viel zu einfach, um wahr zu sein, meinen andere Experten. Die Riesensumme von 4,9 Milliarden Euro könne einer Einzelperson nicht angelastet werden hieß es. Es gehe hier um mehr als das Doppelte des legendären Barings-Betrugs aus dem Jahr 1995.

Damals hatte der Trader Nick Leeson mit seinen Machenschaften den Zusammenbruch der renommierten Bank herbeigeführt. Leeson schickte damals Schockwellen durch die Londoner City. Bei der Societe General hat das Sicherheits- und Kontrollsystem versagt. Eine Tatsache, die viele Kunden mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen.

Das sei schon bedenklich, sagt eine Kundin in Paris. Schließlich müsse sich jeder, der einen Kleinkredit wolle, durchleuchten lassen und Tonnen an Formularen ausfüllen. Und dann werde einem eingeredet, das sei die Schuld eines Einzelnen. Zu hoffen sei, dass die Wahrheit ans Licht komme.

Nach ersten Erkenntnissen verdiente der Händler an seinen Machenschaften nichts. Möglicherweise ging es ihm darum, Verluste zu vertuschen, in der Hoffnung, sie später ausgleichen zu können.