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Das türkische Uni-Kopftuchverbot wackelt

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Das türkische Uni-Kopftuchverbot wackelt

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Frauen mit Kopftuch gehören in Istanbul zum Straßenbild – Frauen ohne ebenso. Neu ist, dass bald wahrscheinlich die Schleierträgerinnen auch mit Kopfbedenkung in türkischen Universitäten studieren dürfen. Die Gesetzesinitiative der islamisch-konservativen Regierung ist hochsymbolisch, aber sie spaltet das Land: “Als ich 1968 studierte, war die Atmosphäre viel offener: Wir trugen sogar Miniröcke!”, erinnert sich eine Istanbulerin. Für ihre Kinder hätte sie sich die die gleiche gesellschaftliche Offenheit gewünscht. “Heute aber bricht mir die Situation in der Türkei das Herz!” Ein jüngere Frau verteidigt ihr Kopftuch – und auch die Initiative der Regierung: “Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten anderer ein, und die sollten sich aus unseren Angelegenheiten heraushalten!

In der Nacht hatte im Parlament in Ankara eine Mehrzahl der Abgeordneten für eine entsprechende Verfassungsnovelle gestimmt. Das Kopftuchverbot an den Hochschulen, mit dem Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk einst ebenso das Land modernisieren wollte, wie mit dem Verbot des traditionellen Fez der türkischen Männer, könnte nun in zweiter Lesung fallen. Im Vorfeld der Abstimmung hatte aber Tausende gegen die Abkehr von der kemalistischen Kleiderordnung protestiert. Sie fürchten, dass die Regierung die Trennung von Staat und Religion gefährde. Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche Frauengruppen. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei kündigte den Gang zu Verfassungsgericht an, sollte das Parlament die Änderungen entgültig absegnen.