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Türkisches Parlament billigt in 1. Lesung Aufhebung des Kopftuchverbotes an Hochschulen

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Türkisches Parlament billigt in 1. Lesung Aufhebung des Kopftuchverbotes an Hochschulen

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Gegen den Widerstand des mächtigen laizistischen Lagers hat das türkische Parlament in der Nacht zum Donnerstag den Weg für ein Ende des Kopftuchverbots freigemacht – eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte für eine entsprechende Verfassungsänderung. Am Samstag muss die Entscheidung in zweiter Lesung bestätigt werden. Die Regierungspartei AKP hatte im Wahlkampf versprochen, das Kopftuchverbot aufzuheben, und wurde dabei von den Nationalisten unterstützt.

Nach der Zustimmung des Parlaments am Samstag könnten junge Frauen, die das streng islamisch gebundene Kopftuch (“Türban”) tragen, in der Türkei zum Studium zugelassen werden.

Der Streit spaltet die Menschen: “Sie haben es geschafft uns Angst zu machen, wenn wir mit unseren Freundinnen sprechen, die einen Türban tragen. Wir fragen uns, was sie wohl über uns denken, wir fangen an uns als Außenseiter zu betrachten”, sagt eine Rechtsanwältin bei einer Straßenumfrage.

“Daß sie dieses Gesetz so durchs Parlament peitschen polarisiert das Land”, findet eine andere Passantin.

Die Anhänger der Reform sehen im bestehenden Kopftuchverbot eine Diskriminierung: “Ich habe vor vier Jahren eine juristische Fachhochschule absolviert. Selbst auf dem Campus hatte ich Schwirigkeiten mit dem Kopftuch. Wir mußten im Unterricht eine Perrücke tragen. Jetzt kann ich meinen Beruf nicht ausüben. Ich unterstütze das Gesetz. Es ist eine demokratische Maßnahme, wie viele glaube ich nicht, daß sie der Trennung von Staat und Religion schadet”, berichtet eine Frau aus Diabakir.