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Scharia in Großbritannien?

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Scharia in Großbritannien?

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Der Erzbischof von Canterbury hat vorgeschlagen, Teile der Scharia für in Großbritannien lebende Muslime als Rechtspraxis anzuerkennen.
Damit hat das geistliche Oberhaupt von rund 80 Millionen anglikanischen Gläubigen leidenschaftliche Debatten ausgelöst.

Einerseits stimmen ihm junge Muslime zu, meinen, die Briten müssten ihnen zuhören.
Manchen Leuten fehlten Kontrollsysteme, die brauchten ein klares Gesetz.
Und der Islam biete so eins.
Ein anderer hält es angesichts der Gesetzlosigkeit heutzutage für eine gute Idee.
Er sagt:” Die Scharia zählt viel. Du machst einen Fehler, wirst bestraft und lernst daraus.”

Die britischen Medien hingegen überbieten einander mit Entrüstungserklärungen.

Erzbischof Rowan Williams hatte festgestellt, das Vereinigte Königreich habe längst kleine Scharia-Gerichtshöfe, ebenso wie Amateur-Gerichte orthodoxer Juden.
Williams wörtlich:
“Was allgemein als große Herausforderung angesehen wird, ist die Existenz von Bevölkerungsgruppen, die – obwohl nicht weniger gesetzestreu als der Rest der Bevölkerung – sich zusätzlich zum britischen Recht an anderen Rechtsnormen orientieren.”

Mit rund 1,6 Millionen machen die Muslime weniger als 3 Prozent der britischen Bevölkerung aus.

Premierminister Gordon Brown und zahlreiche andere Politiker gingen auf Distanz zum Kirchenführer.

Die muslimische Abgeordnete der Konservativen Partei im Oberhaus, Baroness Sayeeda Warsi, betonte, es dürfe auf keinen Fall “zwei verschiedene
Gesetzessysteme mit Wahlmöglichkeit” geben.
Unabhängig von Rasse oder Religion seien alle britischen Bürger dem gleichen Gesetz unterworfen, das vom britischen Parlament beschlossen und von britischen Gerichtshöfen interpretiert werde.

Laut Umfrage sind 40 Prozent der in Großbritannien lebenden Muslime für die Scharia.
Auf Nachfrage erklären viele, es gehen ihnen dabei vor allem um Familienangelegenheiten wie Scheidung und Erbschaft.