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Libanon steht möglicherweise vor neuem Bürgerkrieg

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Libanon steht möglicherweise vor neuem Bürgerkrieg

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Der Libanon steuert möglicherweise auf einen neuen Bürgerkrieg zu. Bei Kämpfen zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und Regierungstruppen wurden seit Donnerstagabend in Beirut mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Die Innenstadt der Hauptstadt ist mehr oder weniger ausgestorben, viele Einwohner verließen ihre Viertel aus Angst vor den Kämpfen. Immer wieder sind Maschinengewehrsalven und Granatenexplosionen zu hören. Auf vielen Dachern sind maskierte Schützen zu sehen. Kämpfer der pro-iranischen und von Syrien unterstützten Hisbollah-Miliz sowie der schiitischen Amal-Bewegung brachten mehrere Stadtviertel im Zentrum Beiruts unter ihre Kontrolle. Die Armee ließ zu, dass schiitische Kräfte auch in sunnitischen Stadtvierteln Stellung bezogen. Seit Mittwoch blockieren Kämpfer der Hisbollah die Zufahrt zum Flughafen, auch ein Grenzübergang nach Syrien ist unpassierbar. Die Milizen gehen inzwischen auch gegen regierungsnahe Medien vor. Sie griffen den Fernsehsender Future TV an und drohten, das Gebäude zu zerstören. Der Sender gehört der Familie von Saad Hariri, der die pro-westliche Regierung unterstützt. Am Morgen hatten bewaffnete Hisbollah-Anhänger das Büro einer Zeitung unter Beschuss genommen, die ebenfalls den Hariris gehört. Viele Familien flohen aus ihren Häusern in sichere Gebiete im christlichen Osten Beiruts. An der Grenze zu Syrien warteten Hunderte Flüchtlinge auf die Einreise ins Nachbarland. Saudi-Arabien und Jordanien, die beide die libanesische Regierung unterstützen, forderten die Einberufung einer Sondersitzung der Arabischen Liga in Kairo. Die Europäische Union rief die Konfliktparteien auf, die Kämpfe sofort zu beenden. Der Weltsicherheitsrat appellierte an beide Seiten, Ruhe und Zurückhaltung zu bewahren.