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vor 30 Jahren wurde in Rom Aldo Moro ermordet

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vor 30 Jahren wurde in Rom Aldo Moro ermordet

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In Rom wurde heute der vor 30 Jahren ermordeter Politiker Aldo Moro geehrt.
damals Parteichef der Christdemokraten.
An dieser Stelle in der via Caetani hatten die Mörder den roten Renault abgestellt –
im Kofferraum der mit neun Schüssen aus nächster Nähe getötete Politiker.

Die Mörder kannte man:
Die links-extremistischen “Roten Brigaden” hatten Moro am 16. März entführt und dann im Austausch die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen verlangt.
55 Tage in Geiselhaft, flehte Moro in Briefen an Politiker und den Papst um Hilfe.
Bis er erkannte, dass ihm keine Hilfe zu erwarten war – ähnlich wie bei der Schleyer-Entführung in Deutschland wenige Monate zuvor.

Aldo Moro wollte, um aus der Wirtschaftskrise herauszukommen, im sogenannten “historischen Kompromiß” die in Italien zu jener Zeit sehr starke Kommunistische Partei mit in die Regierung nehmen.
Seine innerparteiliche Rivalen Francesco Cossiga und Giulio Andreotti waren dagegen.
Als Moro im März entführt wurde, war er auf dem Weg zur entscheidenden Parlamentssitzung.

Fernando Imposimato, damals einer der Ermittler,
ist heute noch davon überzeugt, dass auch Politiker der eigenen Partei Moro loswerden wollten.
Er nennt u.a. den Namen des späteren Staatspräsidenten Cossiga.
Der habe ein Interesse daran gehabt, dass Moro nicht freikomme sondern “eliminiert” werde, um den “historischen Kompromiß” mit den Kommunisten zu verhindern.

Die Hintergründe sind bis heute nicht geklärt.
Ein Mitglied des Krisenstabes sagte Jahre später:
“…wir mussten die Roten Brigaden instrumentalisieren, damit sie ihn töten.”

…und Moros Tochter wehrt sich immer noch gegen Gerüchte, die Familie habe direkt versucht, mit den Roten Brigaben zu verhandeln. Sie spricht von internationalen Organisationen, die in die Verhandlungen einbezogen waren – wie Caritas und Vereinte Nationen. Das habe ihre Familie natürlich unterstützt. Aber dann sei alles auf schlimme Weise von einer sehr starken Macht gestoppt worden.

Das Mißtrauen der Familie war so groß, dass sie ein Staatsbegräbnis ablehnte.
Die Trauerplakate, die Moros Partei statt dessen am Tag der Beisetzung überall in Rom kleben liess mit dem Text “ Aldo Moro ermordet, er lebt in unseren Herzen weiter”, die waren schon gedruckt worden, als Moro noch lebte.