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Neapels Bürger auf den Müllbarrikaden

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Neapels Bürger auf den Müllbarrikaden

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Die Müllkrise in Neapel verschärft sich. Den Bewohnern der süditalienischen Metropole stinkt es. Immer wieder zünden sie Abfallberge an. Mehr als 80 Mal musste in der Nacht die Feuerwehr ausrücken. In der Nacht zuvor waren es mehr als 100 Brände. Alle können die Feuerwehrleute nicht löschen – und oft werden sie selbst zur Zielscheibe: Steine fliegen, oder Müll.

Barrikaden bringen den Verkehr zum Erliegen – ironischerweise am autofreien Tag der Umwelt. Die Anwohner sind sauer: Wie in der dritten Welt sehe das aus, ach was, schlimmer!

Bis zu 6000 Tonnen Müll türmen sich in Neapel, fast 50.000 sind es insgesamt in der Region Kampanien. Viele Deponien sind voll. Ein Drittel der Gemeinden erfasst den Abfall nicht getrennt. Und die Deponien dürfen den Mischmüll nicht mehr annehmen. Exporte, auch nach Deutschland, lindern das Problem, aber lösen es nicht.

Auch um den Tourismus sorgen sich die Napolitaner. Jeder neunte Italiener lebt davon. Doch die Geschäfte liefen schlecht, klagt ein Ladenbesitzer, er verkaufe nichts bei all dem Abfall. Er hoffe, sagt er, dass sie schnell kommen, und den Müll abholen.

Sie, das sind Bürger- und Umweltinitiativen, die sich gegen neue Deponien wehren. Das ist die Mafia, die am lukrativen Entsorgungsgeschäft verdient. Und das ist auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der mit dem Versprechen, die Krise zu lösen, die Wahlen gewann. Auf ihn steigt auch der Druck aus Brüssel. Am Mittwoch will er seine erste Kabinettssitzung in Neapel abhalten.