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Chile: 100 Pinochet-Schergen verhaftet

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Chile: 100 Pinochet-Schergen verhaftet

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Chile bemüht sich um Aufarbeitung der Pinochet-Verbrechen. Die Behörden erließen Haftbefehl gegen fast 100 frühere Soldaten und Geheimdienstagenten. Sie sollen zu Beginn der Schreckensherrschaft von Augusto Pinochet an der Verschleppung und Ermordung von 42 Menschen beteiligt gewesen sein. Die “Operation Colombo” richtete sich in den 70er Jahren gegen linke Oppositionspolitiker.

Der ganze Staat sei damals in diese ensetzlichen Verbrechen verstrickt gewesen, sagte Boris Paredes, Anwalt beim Innenministerium. Die Regierung werde klagen bis zur höchsten Instanz.

Pinochet hatte sich 1973 mit Hilfe der USA an die Macht geputscht. Während seiner 17-jährigen Diktatur wurden mehr als 3000 Menschen getötet und fast zehn mal so viele gefoltert. Eintausend Chilenen verschwanden, rund 200.000 flohen ins Exil. Pinochet, der 2006 starb, wurde nie verurteilt. Und auch viele seiner Helfer nicht. Bislang wurden nur gut 20 Täter verurteilt, mehrere hundert Verfahren sind anhängig.

Der Verteidiger Enrique Barra sagt, er wisse nicht, auf welcher Grundlage die Regierung die Menschen verhaften lasse. Sie übergehe Verjährungsfristen und Amnestien – und wende internationales Recht an, das in Chile gar nicht gelte.

Präsidentin Michelle Bachelet weihte gestern ein Mahnmal für die Opfer ein. Für sie ist die Aufarbeitung auch ein persönliches Anliegen. Während der Diktatur wurde sie inhaftiert, ihr Vater, ein Armeegeneral, starb im Foltergefängnis.